Buch 
Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
Entstehung
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11 . Das kostbare Kräutlein (118)

Zwei Mägde, Anna und Marie, gingen der Stadt zu undjede trug einen schweren Korb voll Obst auf dem Kopfe.Anna murrte und seufzte beständig, Marie aber lachte undscherzte nur. Da entspann sich folgendes Gespräch :

Anna: Wie magst du nur so lachen? Dein Korb ist soschwer wie der meinige und stärker bist du auch nicht als ich.

Marie: Ich habe ein gewisses Kräutlein in den Korbgelegt; so fühle ich kaum die Last. Mach es auch so!

Anna: Ei, ei, das mutz ein kostbares Kräutlein sein. Ichmöchte meine Last auch gerne leichter machen. Sage mirdoch, wie heitzt das Kräutlein?

Marie: Das kostbare Kräutlein, das alle Beschwerdenviel leichter macht, es heitzt Geduld. DennLeichter trägt, was er trägt,

Wer Geduld zur Bürde legt.

12 . Das seltene Gericht. (129)

Ein angesehener Kaufmann hatte seine Freunde auf seinLandgut eingeladen, um sie mit seltenen Meerfischen zu be-wirten. Als nun die sorgsam verdeckte Schüssel aufgetragenwurde, war jedermann aus die kostbaren Fische gespannt. Alsman den Deckel abnahm, waren nur einige Goldstücke darin.

Da sprach der Kaufmann zu seinen erstaunten Freunden:Die Fische, die ich euch versprochen habe, sind dieses Jahrdreimal teurer als sonst. Jeder hätte ein Goldstück gekostet.Da vernahm ich, datz im Dorfe eine arme Familie von Krank-heit und Hunger geplagt sei. Von dem, was dieses einzigeGericht kostet, könnte die Familie lange Zeit leben. Wolltihr, meine Freunde, Meerfische, so lasse ich sofort solchekommen und zubereiten. Sonst gebe ich das Geld der armenFamilie und ihr mützt mit billigeren Fischen zufrieden sein."Da riefen alle Gäste Beifall; jeder legte noch ein Goldstückdazu und der armen Familie war geholfen.

Verschwende nicht dein Geld für Leckerbissen,

Wo andre bittern Hunger leiden müssen.