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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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22. Eine Lüge für zehn Rappen. ( 153 )

Ernst erzählten die Schüler dem Lehrer von einem Knaben,der den Reisenden auf dem Bahnhöfe Zeitungen verkaufe, dasStück für 10 Rappen. Um bessern Absatz zu erzielen, machte "er dabei allerlei unwahre Angaben; z. B.Bitte, nehmenSie eine Zeitung! Ich habe daheim eine kranke Mutterund viele Geschwister!" Alle Schüler waren entrüstet übersolche unverschämte Verlogenheit und der Lehrer fragte:Wer von euch würde für 10 Rappen eine Unwahrheitsagen?" Niemand meldete sich.Aber," fuhr der Lehrerfort,wer würde eine Lüge tun für einen Franken?" Allesblieb still.Für 100 Franken?" Niemand!Aber für1000 Franken?" Jetzt erhob sich eine kleine Hand.Was?Du Heiri, du würdest lügen um 1000 Franken? fragte ver-wundert der Lehrer.Ja!" antwortete der Gefragte;um1000 Franken könnte ich für daheim gute Speisen und Klei-der kaufen." Schnell versetzte der nebenansitzende Werner:Ja, die Kleider nützen sich ab, auch die Nahrung verschwin-det; eine Lüge aber bleibt immer haften; die vergeht nicht."Du hast recht, versetzte der Lehrer,eine Lüge ist wie einschwarzer Fleck auf einem weißen Papier, man kann ihnnicht mehr auslöschen; eine Spur bleibt immer zurück."

(Fisler, Geschichten zum Vorerzählen.)

23. Die heiße Kelle. (156)

Albert war ein unordentlicher Bursche und um nichts besserals ein Dieb. Er stahl zwar nicht geradezu, allein, wo er etwasfand, behielt er es für sich, auch wenn er vermuten konnte,wem es gehörte.

Eines Morgens ging er an der Schmiede vorbei. Nichtweit von der Türe lag eine schöne eiserne Kette auf demgepflasterten Boden. Albert schaute vorsichtig umher, obihn niemand sehe und griff dann geschwind nach derKette. Aber plötzlich tat er einen entsetzlichen Schrei undließ die Kette fallen. Die Kette war fast glühend heiß under hatte sich alle fünf Finger jämmerlich verbrannt.