59
Ung gab' dir keine Last,
Wie wärs da um dein Sterben,Du Menschenkind, bestellt?Du müßtest fast verderbenSo lieb wär dir die Welt;
Und heiter kannst du wandernGen Himmel durch das Grab.Dein Zagen ist gebrochen,Und deine Seele hofft; —Dies ward schon oft gesprochen,Doch spricht man's nie zu oft.
73 Goltvertrauen. (121)
Wenn Menschenhilfe dir gebricht, so hoff' auf Gott undzage nicht! Wenn niemand Hilft, so hilft doch er. Mit ihmist keine Last zu schwer.
Wenn Reiz der Jugend dir entflieht, so ist's doch Gott,der auf dich sieht.
Wenn dich der beste Freund verläßt, hält dich doch GottesLiebe fest.
Nimm deine Zuflucht nur zum Herrn, er ist dir nah, erhilft dir gern!
Nimm ihn zum Freund, und Er allein kann Tröster dirund Vater sein.
74. Der arme und doch reiche Holzbauer. (123)
In einer der Vorstädte der großen Stadt Paris wurdeeinst ein Geistlicher zu einem armen Holzhauer gerufen. Ertraf ihn in einer kleinen Hütte, auf einem Haufen Strohliegend und mit schlechten Kleidern bedeckt. Im ganzenZimmer war weder ein Stuhl noch ein anderes Gerät zusehen; denn man hatte alles verkauft, um dem Kranken täg-lich eine Suppe kochen zu können. An den leeren Wändenhing nichts mehr als ein Beil und zwei Sägen. „MeinFreund," redete der Geistliche den Kranken an, „danket nunGott, daß er euch aus dieser Welt wegnimmt, wo ihr dochnur im Elend wäret!" — „Im Elend? Sie irren sich, ehr-würdiger Herr! Ich habe vergnügt gelebt und nie übermein Schicksal geklagt. Haß und Neid waren mir unbe-kannt. Des Tages arbeitete ich mich müde und des Nachts