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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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und Tal, in Baum und Halm; sie spinnen und weben derErde ein neues Gewand, schöner als Salomo gewesen istin all seiner Herrlichkeit, das in buntem Farbenschmucke prangt,vom frischen, hellen Grün des Wiesengrundes bis zum grünenDunkel des Waldes, von der Farbenglut der Frühlings-blume bis zum Silberglanz, in welchem der Baum mit seinerBlütenkrone prangt. Und freundlich lacht vom blauen Himmeldie Sonne zur Erde herab und gießt über alles das Meerihres Lichtes aus, Leben und Freude atmet alles, das Büch-lein rauscht's und die Blume duftet's, der Käfer schwirrt'sund das Vöglein singt's: Gott, ja Gott ist gut! Er ist allemgütig und erbarmt sich aller seiner Werke.

Und auch der Mensch fühlt es, fühlt's auch wenn er sichdessen nicht bewußt wird in dem Wohlsein, das ihm Leib undSeele durchströmt, wenn er hinaustritt aus den engen kaltenMauern und seine Glieder badet in der milden Frühlingsluft:dort der bleiche Kranke, den sie aus seiner Kammer hinaus-getragen in den hellen Sonnenglanz; dort der Arme, dernun wieder Arbeit hat und froheren Herzens in die Zukunftschauen darf; dort der Greis, der am Stäbe durch die Flurenwandelt; dort das Kind, das mit Vergnügen im Sande spielt;sie alle fühlen es: Gott, ja Gott ist gut; er tut seine Handauf und erfüllt alles, was lebt mit Wohlgefallen!

Ja, Gott ist nicht ferne von einem Jeglichen unter uns,in ihm leben, weben und sind wir. Er hat nicht bloß geredetin alten Zeiten durch den Mund längst verstorbener Menschenzu untergegangenen Geschlechtern, er redet zu uns nicht bloßdurch den Buchstaben frommer Überlieferung, er redete zu unsunmittelbar durch den Strom des Lebens, von welchem unsereigenes kleines Leben dahingetragen wird; er redet zu uns nichtbloß in harten Schicksalsschlägen, in furchtbaren Strafge-richten, im Feuerstrom und Sturmessausen; nein, er redet zuuns auch im milden sanften Säuseln, in des Frühlings stiller,alles Lebende bis in die Tiefe durchströmender Wonne.

Wach aus, meine Seele, zu neuem Leben, treibe auch dufrische Blüten des Geisteslebens und erblühe in neuem Glau-