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Der Herr behütet dich vor allem Übel, er behütet deine Seele.Der Herr behütet deinen Ausgang und Eingang von nunan bis in Ewigkeit. (Ps. 121.)
138. Hiob (il6)
In uralten Zeiten lebte an der Grenze Arabiens einfrommer Mann, namens Hi 0 b, der tat was Gott wohlgefiel;er war für alle seine Nachbarn das Vorbild der Rechtschafsen-heit und Gerechtigkeit. Dazu war er reich gesegnet mit irdischenGütern. Sein Glück sollte aber nicht ewig dauern; dennschwere Prüfungen brachen über ihn herein Schlag auf Schlag,ein Unglück folgte dem andern: Räuber überfielen seineHerden, raubten und plünderten, seine Knechte wurden er-schlagen. Der Blitz schlug in die Häuser und verbrannte siezu Asche und Hiob war in wenig Tagen aus dem reichstenManne zu einem Bettler geworden; denn auch das Liebste,was er besaß, nahm ihm Gott weg, seine blühenden Söhneund Töchter verunglückten miteinander am gleichen Tag.Wohl war die Seele Hiobs von tiefem Schmerz erfüllt,aber auch dieser letzte große Verlust vermochte ihn in seinemEottvertrauen nicht wankend zu machen. „Der Herr hates gegeben," sprach er, „der Herr hat es genom-men, gelobt sei der Name des Herrn!"
Es sollte aber noch ärger kommen; die ekelhafte und un-säglich schmerzvolle Krankheit des Aussatzes überfiel ihn undvom Scheitel bis zur Sohle war kein heiler Fleck an ihm.Sein Weib, voll Verzweiflung, überhäufte ihn mit Schmähun-gen und ließ ihrem bittern Unmut vollen Lauf. Aber Hiob erwiderte ihr in all' seinem Elend nur :„HabenwirEutesempfangen von Gott, sollten wir das Bösenicht auch annehmen?"
Drei Freunde besuchen ihn und wollen ihn trösten; wie sieaber das Übermaß des Jammers und Elends sahen, über-mannt sie der Schmerz und Tage lang sitzen sie nur stumm undtraurig ihm gegenüber. Endlich bricht Hiob selbst das Schwei-gen; denn seine Kraft ist zu Ende: „Wäre ich doch gestorben