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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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145. König Friedrich und sein Nachbar. (i48)

Der König Friedrich II. von Preußen hatte acht Stundenvon Berlin ein schönes Lustschloß und war gerne darin, wennnur nicht ganz nahe daneben die unruhige Mühle gewesenwäre. Denn erstlich stehen ein königliches Schloß und eineMühle nicht gut nebeneinander, obgleich das Weißbrot auchim Schloß nicht übel schmeckt. Außerdem aber, wenn der Königin seinen besten Gedanken war und nicht an den Nachbar dachte,auf einmal ließ der Müller das Wasser in die Räder schießenund dachte auch nicht an den Herrn Nachbar und die Ge-danken des Königs stellten das Räderwerk der Mühle nicht,aber manchmal das Klapperwerk der Räder die Gedankendes Königs. Der geneigte Leser sagt:Ein König hat Geldwie Laub, warum kauft er dem Nachbar die Mühle nicht abund läßt sie niederreißen?" Der König wußte warum. Denneines Tages ließ er den Müller zu sich rufen.Ihr begreift,"sagte er zu ihm,daß wir zwei nicht nebeneinander bestehenkönnen. Einer muß weichen. Was gebt Ihr für mein Schlöß-lein?" Der Bauer sagte:Wie hoch haltet Ihr es,Königlicher Herr Nachbar?" Der König erwiderte ihm:Wunderlicher Mensch, so viel Geld habt Ihr nicht, daßIhr mein Schloß kaufen könnt, wie hoch haltet Ihr EureMühle?" Der Müller erwiderte:Gnädigster Herr, so habtauch Ihr nicht so viel Geld, daß Ihr mir meine Mühle ab-kaufen könnt. Sie ist mir nicht feil." Der König tat zwar einGebot, auch das zweite und ein drittes, aber der Nachbarblieb bei seiner Rede.Sie ist mir nicht seil. Wie ich daringeboren bin," sagte er,so will ich darin sterben, und wiesie mir von meinen Vätern erhalten worden ist, so sollen sieinsine Nachkommen von mir erhalten und auf ihr den Segenihrer Vorfahren ererben." Da nahm der König eine ernst-haftere Sprache an:Wißt Ihr auch, guter Mann, daßich gar nicht-m-tig habe, viele Worte zu machen? Ich lasseeure Mühle tarier und breche sie ab. Nehmt alsdann dasGeld oder nehmt es nicht«" Da lächelte der unerschrockeneMann, der Müller, und eroberte dem König:Gut gesagt,