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154. Adrian von Bubenberg . ( 177 )
(Ein leuchtendes Vorbild der Vürgertugend.)
Es war im Jahre 1476. Mit gewaltiger Heeresmachtnahte voll grimmer Wut Karl, genannt der Kühne, Herzogvon Burgund, um das verhaßte Volk der Schweizerbauernvom Erdboden zu vertilgen. Auf seinem Schlosse zu Spiez lebte zurückgezogen Adrian von Bubenberg , der edelste seinesruhmvollen Geschlechtes. Seine Mitbürger hatten ihm fürtreue seiner Vaterstadt geleistete Dienste mit schmählichemUndank gelohnt. Auf eigene Kosten hatte er in den Kriegs-zügen seine Reisigen ausgerüstet, aus seinen Mitteln die kost-spieligen Gesandtschaftsreisen nach Frankreich , zum Kaiser,nach Burgund , in die Niederlande , nach Turin bestritten,alles nur für die Stadt; aber als die Schultheißenwahl kam,wählten die Beiner einen andern. An den Höfen von Burgund und Frankreich wohlbekannt, warnte er im Rate vor einemBündnis mit dem falschen und treulosen König Ludwig XI. ,aber sein Bemühen war erfolglos und seine Warnung machteihn sogar verdächtig. Trotz seines altberühmten Namens,seines edlen Charakters, seines ritterlichen Mutes und seinervielfachen Verdienste um die Stadt Bern brachten es seinepolitischen Gegner dazu, daß er, um unschädlich gemacht zuwerden, aus dem Rate ausgestoßen wurde.
Im Jahre 1476 aber, als Bern vor dem Burgunderherzogbangte, erinnerte es sich des Mannes, den es so schlecht be-handelt hatte. Denn so groß war das allgemeine Zutrauenauf die unbestechliche Rechtlichkeit und unerschütterliche Vater-landsliebe Bubenbergs, daß ihm einstimmig die wichtigsteStelle im beginnenden Feldzuge, die Hut der Stadt Murten übertragen wurde, ihm, den man erst noch als einen Verräterbezeichnet hatte. Herr Adrian, seinem Grundsatz getreu, im-merdar für das Vaterland einzustehen und seine Ansichtendem allgemeinen Wohle unterzuordnen, folgte dem Rufe,obwohl Karl der Kühne einst sein Freund gewesen war, ob-wohl es seine persönlichen Feinde waren, die ihn zum Kampfegegen den veranlaßten, an dessen Hose die Bubenberge wie