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Gott ist gut, fasse Mut, ruh' in Gottes Hand, teures Vater-land!
Recht und Pflicht wanken ewig nicht!
Wo das Recht den Vorsitz führet, ruht aus ihm so fest derStaat;
Wo die Pflicht den Sinn regieret, folget Segen auf die Tat.Fromm und frei, Gott getreu, ruh' in Gottes Hand, teuresVaterland!
156. Was die Natur dich lehrt. (i 80 )
Unter den Jüngern Hillels, des weisen Lehrers der SöhneIsraels , befand sich einer mit Namen Saboth; den verdroßjegliche Arbeit, also daß er sich dem Müßiggang und der Träg-heit ergab. Hillel aber war bekümmert um den Jünglingund beschloß, ihm zu helfen. Zu dem Ende führte er ihn hin-aus in das Tal Hinnom bei Jerusalem . Dort war ein stehen-des Gewässer voll Gewürm und Ungeziefer und bedeckt mitschlammigem Unkraut. AIs sie das Tal erreicht hatten, legteHillel seinen Stab nieder und sprach: „Hier wollen wir aus-ruhen." Der Jüngling aber verwunderte sich und meinte:„Wie, Meister, an diesem stinkenden Sumpfe! Merkest dudenn nicht, welch ein vergiftender Dunst daraus emporsteigt?"
„Du haft recht, mein Sohn," antwortete der Meister;„dieser Sumpf gleicht der Seele des Müßiggängers. Wermöchte in seiner Nähe weilen?"
Darauf führte Hillel den Jüngling zu einem wüsten Acker,auf welchem nur Dornen und Disteln wuchsen; die ersticktendas Korn und die heilsamen Kräuter. Da lehnte sich Hillel auf seinen Stab und sprach: „Siehe, dieser Acker hätte einenguten Boden, um allerlei Nützliches und Erfreuliches zu tragen.Aber man hat sein vergessen und ihn versäumt. So bringter jetzt gewaltige Disteln und Dornen und giftiges Gesäme;darunter nisten Schlangen und Molche. Vorhin sahest du dieSeele — jetzt erkenne das Leben des Müßiggängers."
Karl Schweizer, Lesebuch für den Religionsunterricht. 2. Auftage.
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