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172. Die Ausbreitung des Christentums. ( 24 )
Das Gleichnis vom Senfkorn, welches einst Jesus ge-braucht hatte, schien in Erfüllung zu gehen. Obwohl währendfast drei Jahrhunderten auf alle nur denkbare Weise gequält,verfolgt, gemartert, unterdrückt, mehrten sich zusehends dieBekenner des gekreuzigten Jesus von Nazareth und dasEvangelium vom Reiche Gottes wurde in alle Welt hinaus-getragen, durch Sklaven, Soldaten, Handelsleute, Beamte,aber auch durch eigentliche Sendboten, Missionare, diekeine Anstrengungen und Gefahren, nicht Verfolgung nochblutigen Tod fürchteten und so am allermeisten zur Ausbrei-tung des Christentums im Abendlande, zumal in den kaltenLändern nördlich der Alpen beitrugen. Als solche sind zunennen: der Bischof Wulfila im Eothenland, der seinenVolke eine Bibelübersetzung gab, von welcher wir noch selteneBruchstücke als ältestes Zeugnis der deutschen Sprache be-sitzen; Bonifatius, der Apostel der Deutschen genannt;für die Schweiz kommen hauptsächlich in Betracht: GalIus,dem das im Mittelalter blühende Kloster St. Gallen seinenUrsprung verdankt, Fridolin (Säckingen und Glarus ),Pirmin (Reichenau), Meinrad (Einsiedeln ), Colum-ban, Himerius, Ursicius und andere mehr. Als dannim 13. Jahrhundert die Deutschritter Preußen erober-ten, war ganz Europa dem Christentum unterworfen. Und seitim 15. Jahrhundert die Seefahrer neue Erdteile entdeckten,hat es niemals mehr an Elaubensboten gefehlt, die ihnen nach-zogen und auch den Heiden das Evangelium verkünden wollten.
173. Herbst. ( 28 )
Ich sah den Wald sich färben, Durchs Feld vomHerbstgestäu-Die Lust war grau und stumm; Hertrieb das dürre Laub; fdeMir war betrübt zum Sterben, Da dacht' ich: deine FreudeUnd wußt es kaum warum. Ward so des Winters Raub!