171
Dein Lenz, der blütenvolle, Da plötzlich floß ein klaresDein reicher Sommer schwand; Getön in Lüsten hoch:
An die gefrorne Scholle Ein Wandervogel war es,Bist du nun festgebannt. Der nach dem Süden zog.
Ach wie der Schlag der Er mahnt aus Heller Kehle
Schwingen, Mich ja der flücht'ge Gast:Das Lied ins Ohr mir kam, Vergiß, o MenschenseeleFühlt ichs wie Trost mir dringen Nicht, daß du Flügel hast.Zum Herzen wundersam. (E. Geibel.)
(Siehe, meine Tage sind wie eine Hand breit und mein Leben istwie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die so sicherleben! (Ps. 39, 6.)
174. Allerseelen. ( 2 . Nov.) ( 29 )
Die Fluren sind kahl und entlaubt ist der Wald;
Die Blumen des Sommers verblichen so bald.
Die lieblichen Sänger sind alle entslohn.
Schon reist es im Tale; und Stürme drohnAm Tage aller Seelen.
Doch draußen, wo Hügel an Hügel sich reiht,
Wo sie ruhen, die Schläfer, von Freuden und Leid,
Da strahlt es von Kerzen in flimmerndem Glanz:
Da leuchten die Blumen; da duftet der KranzAm Tage aller Seelen.
Und funkelt im Lenze die grünende Au —
Hier schimmerts von Tränen, wie funkelnder Tau.
O preist sie, der Liebe unsterbliche Kraft,
Die im Herbst, bei den Gräbern, den Frühling noch schafftAm Tage aller Seelen. (Schulte vom Brahi.)
175. Mas am Horeb. ( 32 )
Heraus aus des Horeb felsiger Kluft,
Heraus, vor den Herren zu treten!
Erheb' dich, Elias, der Meister beruftDen grollend verborgnen Propheten!