175
der da kommen werde, sein Volk zu erlösen und auch den andernVölkern Frieden zu bringen. Und an diese Hoffnungen klam-merte sich in schweren Zeiten Israel an, sie gaben ihm denMut auszuharren und zu warten auf die Tage desMessias.
177. Der Prophet Iesaja. (34)
Einer der bedeutendsten unter den Propheten ist Iesaj a,der Sohn des Amoz, aus vornehmem Geschlechte der StadtJerusalem (ca. 780—700). Man erzählt, er sei sogar ausköniglichem Geschlechte gewesen und seine Tochter als GattinManasses Königin von Juda geworden. Jedenfalls hat ereine ausgezeichnete Erziehung genossen, wie sie in einer so be-deutenden, über fast unerschöpfliche Geldmittel verfügendenHandelsstadt wie Jerusalem damals war, wohl gefundenwerden konnte. Iesaja erzählt selber, wie er zum Prophetenberufen und geweiht wurde:
Im Todesjahr des Königs Ussia (759) an einem Festtagestand er auf des Tempels Schwelle, ein feuriger, für allesHohe und Heilige, Edle und Gute begeisterter Jüngling. DieTöne der Posaunen und das Hallelujah der Priesterchöre um-brauste seine Ohren, die wunderbare Pracht des Tempels, derSchmuck von Gold und Elfenbein blendete seine Augen, deraufsteigende Weihrauchdust und die Heiligkeit des Ortesbestrickte seine Sinne, es war ihm als sei er der Erde entrückt:„Den Allherrn sah ich sitzen aus hohem und erhabenem Thronund seine Säume füllten den Tempel. Seraphime stundenum ihn her und einer rief dem andern zu: Heilig, heilig,heilig ist der Herr der Heerscharen! Voll ist die ganze Erdeseiner Herrlichkeit! Da sprach ich: Wehe mir! Ich bin ver-loren; denn ich bin ein Mensch unreiner Lippen und wohneunter einem Volke von unreinen Lippen und habe den Herrngesehen!" Doch einer der Seraphime fliegt herzu, entsündigtund weiht seine Lippen mit einer glühenden Kohle. Und nunhöret er die Stimme Gottes: Wen soll ich senden und werwird mein Bote sein? Iesaja antwortete: Hier bin ich,