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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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sie hin auf die drohenden Gefahren von außen, aber auchauf die von innen, auf die Schäden im sittlichen und religiösenLeben des Volkes. Sie sahen, wie das Volk oft in ausschwei-fender Weise fremden Göttern diente und die eigene Kraftuntergrub; wie die Verehrer Jehovas mit Opfern, Festlich-keiten, Waschungen und Reinigungen sich begnügten; wie dieReichen und Mächtigen in Hoffart lebten und die Niedrigenbedrückten. Da traten diese Männer mit unerschrockenemMute dem Verderben entgegen, warnten, mahnten, drohten,nicht immer umsonst. Selbst verfolgt hörten sie nicht auf,von dem zu reden, was ihre Seele erfüllte. Es waren Männeraus allen Schichten des Volkes, vornehmem Stande ange-hörend wie Iesaja, Hirten vom Felde wie Amos , fin-stere gewalttätige Eiferer wie Elias, feingebildete Städterwie Ieremia und andere mehr (Joel, Hosea , Ezechiel ).

Anfang und Ende aller prophetischen Reden ist die Predigtvon dem Einen geistigen Gott, dessen heiliger Willeim Volke Israel zur Ausführung gelangen soll, damit esin Tat und Wahrheit ein Volk Gottes werde. So legtendenn die Propheten dem Volke ans Herz, wie es durch seineAbgötterei und Sünde sich ins Verderben stürze, aber durchaufrichtige Besserung ihm entrinnen könne. Sie fordertenaufrichtige Bekehrung des Herzens zu Gott und ein Lebenin Liebe, Treue, Redlichkeit und Barmherzigkeit gegen dieMitmenschen. Geringschätzig urteilten sie über den Wertder Opfer und aller Äußerlichkeiten im Tempeldienst; dennGott ist ein geistiges Wesen, das menschlicher Gaben nichtbedarf; er ist der Schöpfer des Himmels und der Erde, nebendem keine andern Götter bestehen können, der die Völkerrichtet mit Gerechtigkeit, aber auch mit Erbarmen.

Als die äußern Schicksale des Volkes sich immer schlimmergestalteten, da waren es wieder die Propheten, die den Mutnicht verloren, die hinwiesen auf den Untergang als einGottesgericht, das aber auch ein neues Volk schaffen werde.Sie schauten in die Zukunft und redeten mit zündenden be-geisterten Worten von einer neuen, schönen Zeit, von einem,