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will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Und sie sollennicht mehr Einer seinen Nächsten lehren und sprechen: LernetIehovah kennen! denn sie werden mich alle kennen, Kleinund Groß."
Unter der Regierung Iojakims war Jeremia zweimal inLebensgefahr. Einmal wurde er von Priestern ergriffen undkonnte nur mit Mühe vor der Steinigung durch das Volkgerettet werden. Ein andermal liest der König seine Schriftenverbrennen und hätte ihn hinrichten lassen, wenn der Prophetmit seinem Schreiber Baruch sich nicht verborgen gehaltenhätte. Als dann der König von Babylon Jerusalem ge-plündert und den ohnmächtigen Schattenkönig Zedekia alsVasall eingesetzt hatte, brach für Jeremia erst recht die Lei-denszeit an. Umsonst mahnte er, sich ruhig zu verhalten unddas Joch des Feindes zu tragen; denn dessen Herrschaft werdenicht lange dauern. Die Kriegsobersten betrachteten ihn alseinen Feigling und warfen ihn in den Kerker. AIs dannNebukadnezar aufs neue heranrückte und Jeremia den end-gültigen Untergang verkündigte, warf man ihn in eine schlam-mige Cisterne, in welcher er umgekommen wäre, wenn nichtein Hofbeamter ihn gerettet hätte. Er blieb aber gefangenbis zur Eroberung der Stadt. Nebukadnezar liest ihn dannfrei und erlaubte ihm, nach Belieben seinen Wohnsitz zuwählen. Er zog es vor, unter den Trümmern seines heiß-geliebten Vaterlandes zu verweilen; aber die Unruhen undAusstände zwangen ihn, nach Ägypten auszuwandern, woer sein vielbewegtes Leben beschloß.
Erst nach seinem Tode, als er längst seinen müden Leib inägyptischer Erde zur Ruhe gelegt hatte, anerkannte manseinen Wert. Sein Wort von einem neuen Bunde, von einerReligion der Innerlichkeit und geistiger Freiheit blieb zwarnoch unverstanden, aber auch unvergessen. Er hatte zwardie frohe Botschaft von einem Gottesreiche nicht verkündigenkönnen, er hat sie aber verheißen und seinem Worte ver-trauend, harrten die Edelsten und Besten Israels auf dieZeit der Erfüllung.