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teien mit scharfem Auge beobachtet, den es schmerzt, wiesein Vaterland durch Bündnisse mit mächtigen Nachbarn inschwächliche Abhängigkeit versinkt und in seiner Sittenlosig-keit die Kraft verliert, ruft grimmig und wehmütig zugleich :
„Höret des Herrn Wort, ihr Söhne Israels ! Als Israel jung war, liebte ich es und aus Ägypten rief ich meinen Sohn.Meine Boten riefen ihnen, doch sie wandten sich von ihnen ab.Ich gängelte Ephraim , hielt es bei seinen Armen; doch siemerkten es nicht, daß ich ihnen half. An menschlichen Bandenhielt ich sie, an Seilen der Liebe. Doch nun siehe, keineTreue, noch Liebe, noch Eotteserkenntnis ist im Lande. Manschwört und lügt und tötet und stiehlt und bricht die Ehe;Gewalttat üben sie und Blutschuld auf Blutschuld häufensie. So will ich ihnen sein wie ein Löwe, wie ein Parder,der am Wege lauert. Kehre um, Israel , zu deinem Gott!denn du stürzest durch dein Vergehen. Sprechet zum Herrn:Vergib uns alles Vergehen und nimm es zu gut, daß wirOpfer unserer Lippen darbringen. Dann will ich sein wie derTau und blühen soll Israel wie eine Lilie und Wurzelschlagen wie der Libanon ."
Es war alles umsonst. König und Volk hörten nicht aufdie Propheten, sondern versteckten sich immer mehr. So konntedie Strafe nicht ausbleiben; denn wo das Gute keine Machtmehr über die Menschen hat, gewinnt sie dafür in doppeltemMaße das Schlechte und in ihrer Verblendung erkennen dieVölker nicht den Abgrund, an dem sie stehen. Mit einemgroßen Heere zog Salmanassar , der mächtige König vonAssyrien heran, und eroberte die Hauptstadt Samaria nachlanger Belagerung im Jahre 721 v. Chr. Das Volk ver-stieß er aus seiner Heimat und führte es weg in ferne Länder.Von dem einst so herrlichen Volke Israel war nur noch daskleine Reich Iuda mit Jerusalem übrig.
Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, die Sünde aber ist der Leute Verderben.