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Tränklein verordnen. Es sei aber in dem ganzen Hauskeine Feder, keine Tinte und kein Papier gewesen,nur eine Kreide. Da habe der Herr Doktor das Rezeptan die Stubentür geschrieben, und nun solle der HerrApotheker so gut sein und das Tränklein kochen. —Item, wenn es nur gut getan hat. Wohl dem, der sichin der Not zu helfen weiss!
26. Die Tollkirsche.
Ein Vater wandelte mit seinen beiden Kindern, einemKnaben und einem Mägdlein, auf den Hügeln, und dieKinder ergötzten sich, Erdbeeren zu pflücken, die reich-lich am Wege und in den Gründen wuchsen. Plötzlichvernahm der Vater ein lautes Freudengeschrei der Kinder,und es wunderte ihn, was sie gefunden haben möchten.Er trat hinzu und sah, wie jedes Kind eine schöneFrucht, gleich einer Kirsche, in den Händen trug undsie beschauete, um sie zu essen. Aber der Vater nahmihnen die Kirschen, warf sie auf die Erde und zertratsie vor ihren Augen. Darauf riss er auch die Pflanzenaus der Erde und zertrat sie samt den Kirschen, diedaran sassen. Da murrten die beiden Kinder und sahenden Vater an mit Unmut. Der Vater aber schwieg undging weiter. Endlich fragten die Kinder und sprachen:„Wie vermochtest du, lieber Vater, also die schöne Fruchtund uns die Freude zu verderben? Warum tatest dudas?“ — „Kinder,“ antwortete der Vater, „hättet ihrdiese Frucht gegessen, so wäre es euer Tod gewesen.Es war eine Tollkirsche, eine tödliche Giftpflanze.“ Dasahen die Kinder beschämt vor sich nieder, dankten demVater und sprachen: „Lieber Vater, warum sagtest duuns dieses nicht? Wir hätten dich dann nicht betrübtdurch unser törichtes Murren.“ Der Vater aber antwor-tete: „Eben euer Unmut und Murren hat mich darangehindert; denn ihr hättet’s doch nicht glauben wollen.