Buch 
Schulbuch für den sprachlichen und realistischen Unterricht in thurgauischen Primarschulen : VI. Schuljahr / Lehrmittelkommission
Entstehung
Seite
47
JPEG-Download
 

56. Der Hirsch am Bache.

Ein Hirsch trank aus einem kleinen Gewässer underblickte in demselben sein Bild.Fürwahr, rief er,die Natur meinte es nicht so böse mit mir, wenigstensmit meinem Kopfe nicht! Wie prächtig ist das Geweih,das ihn schmückt! Nur meine Schenkel könnten etwasbesser sein, und ich würde dann an vortrefflicher Ge-stalt allen Tieren Trotz bieten.

Indem er noch dies sprach, hörte er in der FerneJagdhörner ertönen und sah die Hunde schon, die mitBellen auf ihn zueilten. Er flog über die Felder hinwegund liess seine Verfolger weit hinter sich. Jetzt kam erin den Wald; aber indem er hier sich in ein Dickichtretten wollte, blieb er mit dem Geweih an den Asteneines Baumes hängen; die Hunde kamen herbei undrissen ihn nieder.

Ach, seufzte er, indem er verschied,ich Un-glücklicher habe in törichter Weise meine Freunde fürFeinde und meinen Feind für einen Freund gehalten!Die Schenkel, die ich tadelte, hatten mich beinahe schongerettet; aber das Geweih, das ich pries, hat mich insVerderben gestürzt. 1

57. Die dunkelblaue Wiese.

Vater. Ich kenne eine grosse dunkelblaue Wiese.

Emil. Vater, das ist dein Spass; solche gihts jagar nicht; die Wiesen sehen grün aus, aber nicht blau.

Vater. Meine Wiese sieht aber doch blau aus undist grösser, als alle Wiesen der Welt.

Laura. Habe ich sie gesehen, Vater?

Vater. Du und ihr alle habt sie schon gesehen undbekommt sie alle Tage zu sehen. Auf meiner Wiesegehen jahraus, jahrein, einen Tag wie den andern, eineunzählbare Menge grosser und kleiner Schafe auf dieWeide, obwohl nichts dort wächst.