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Aus dem Leben einer Arbeiterkolonie : Vortrag / von Gustav Benz
(Pfarrer in Basel)
Entstehung
Seite
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ist es nicht verwunderlich, wenn erst spät das Bewußt-sein der brüderlichen Liebespflicht auch diesen Menschengegenüber erwachte und wenn eigentlich erst in der neuerenZeit die Wege betreten werden, auf denen diese Pflichtam zweckmäßigsten erfüllt wird.

Aus alter und neuer Zeit.

Eine neue Erscheinung sind diese Wanderarinen nicht.Wir wollen, so oft einer von ihnen vor unserer Türesteht, nicht vergessen, daß eines der köstlichsten Gleich-nisse Jesu, aus dem wir alle schon für unser inneresLeben Kraft empfangen haben, die Geschichte eines Vaga-bunden ist. Seinen Höhepunkt hat das Vagabuuden-ivesen jedes Falls im Mittelalter erreicht, nicht ohneSchuld der Kirche, die in ihrer Werkheiligkeit unablässigdas Almosen als eines der sichersten Mittel zur Er-langung der himmlischen Seligkeit anpries und damitder Trägheit und der Bettelei den wirksamsten Vorschubleistete. Aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhundertsstammt das Vagabundenbuch, libsr VaALtorum,das über die wandernden Bettler jener Zeit mit großerUmständlichkeit berichtet. Es zählt über zwanzig ver-schiedene Arten von Bettlern auf und nennt für jedeeinen besonderen Nanien. Es muß unglaublich vielherumlungerndes, fahrendes Volk gegeben haben, außerden wandernden Handwerksgesellen und Studenten auchprofessionsmäßige Wanderbettler, die auf die Leicht-gläubigkeit und den Aberglauben der Leute spekulierten