18
linge zu harter, strenger Arbeit und zu unbedingtemGehorsam anzuhalten, so lange der drakonische Zwangder Anstalt jede Weigerung unnachsichtlich und empfind-lich an ihnen zu ahnden vermag. Aber sie sind un-fähig, gerade das zu leisten, was ihre Pfleglinge amallernötigsten haben: sie zum ernsten Gebrauch der Frei-heit zu erziehen. Auch die vielen polizeilichen, admini-strativen und gerichtlichen Chikanen, denen der mittel-lose Wanderer, in Deutschland noch weit mehr als beiuns, ausgesetzt ist, tragen nur dazu bei, ihn auf eintieferes Niveau hinabzudrücken und aus dem relativharmlosen Menschen ein vorbestraftes, mit einem gesell-schaftlichen Makel behaftetes Individuum zu machen.
So ungeeignet jedoch die Gewalt zur Hebung diesergesunkenen oder sinkenden Bruder ist, so ungeeignetist die kritiklose Almosenspenderei der privaten Wohl-tätigkeit. Nicht die Bettelei zu unterstützen und zufördern, ist Pflicht der brüderlichen Liebe, sondern siezu bekämpfen. Aus dieser Erkenntnis heraus sind dieAntibettelvereine entstanden, die sich eine Zeitlanggroßer Beliebtheit erfreuten. Es gab Ortschaften, wobeinahe an jeder Haustüre ein Schildchen mit derAufschrift „Mitglied des Vereins gegen Hausbettel"prangte. Aber der erwartete Erfolg hat sich nichteingestellt. Er besteht bloß darin, daß man sich mitHülfe des Vereinsbeitrages die Wanderarmen vomLeibe hält, nicht aber darin, daß man sie wieder vonder Landstraße in geordnete Verhältnisse hineinbringt.Und oft wird trotz der Antibettelvereine doch gefochten,