im Winter und in Zeiten des geschäftlichen Niedergangs,und was für sittlichen Gefahren sie vielfach täglich aus-gesetzt sind! Ist es nicht christliche Bruderpflicht, fürsie eine Zufluchtsstätte zu eröffnen, wo sie Nahrungund Obdach finden, bis auch für sie wieder ein Ver-dienst sich zeigt? Jeder Jahresbericht von Herdern ver-zeichnet unter den Kolonisten solche alleinstehende Leute,die, aus Spitälern und Irrenhäusern entlassen und aufdie Landstraße gestoßen, in der Arbeiterkolonie freund-liche Aufnahme fanden. Im September 1896 empfahlein Pfarramt einen fleißigen Arbeiter, der wegen Gehör-hallucinationen seine Stelle verloren hatte. Er hatteseither nur unvollkommene Heilung und keine feste Stellemehr gefunden und sich zuletzt aus Verzweiflung dasLeben nehmen wollen. Der arme Mann wünschte selberAufnahme in Herdern und schrieb in seinem Gesuche:„Ich bin zur Arbeit noch fähig, und möchte gerne sein,wo es ruhig zugeht; ich wäre in Herdern der Oeffent-lichkeit enthoben und könnte wieder zu mir selber kom-men." Zahlreich sind unter den Kolonisten fortwährendsolche, deren Hauptfehler — ihr Alter ist. Von den207 Kolonisten des Jahres 1901 waren 86 über 40,24 über 60 Jahre alt. Im Jahre 1902 war mehr alsdie Hälfte sämtlicher Kolonisten über 40 Jahre alt.
Rekrutieren sich diese beiden Gruppen aus Leuten,die ohne eigene Schuld ins Elend und auf die Land-straße geraten sind, so möchte ich als dritte Gruppe die-jenigen nennen, die durch eigene Schuld aus demGeleise geworfen wurden und auf die Stufe des