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Aus dem Leben einer Arbeiterkolonie : Vortrag / von Gustav Benz
(Pfarrer in Basel)
Entstehung
Seite
29
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mittellosen Wanderers, ja des Vaganten herabgesunken sind.Wahrscheinlich übertrifft diese Gruppe sämtliche andernan Zahl. Meist haben Trägheit, Leichtsinn, Arbeits-scheu, vor allem Trunksucht die Entgleisung verursacht.Dieser Kategorie gehören die Kolonisten an, die auswohlhabenden und gebildeten Kreisen stammen. Siesind von Angehörigen oder Vorniündern der Anstalt zu-geführt worden, um sie vor tieferem Sinken zu bewahren,oder sie haben, zum Fechtbruder und Vaganten herab-gesunken, in einer guten Stunde selber noch »ach demRcttungsseil der Anstaltsversorgung gegriffen. Es warenin Herdern schon außer den Vertretern fast aller Hand-werke von Anfang an zahlreiche Kaufleute, aber auchschon Techniker, Beamte, Lehrer, ein Tierarzt, ein Apo-theker, ein Architekt, ein Jnstruktor, ein Jurist. DieGeschichte dieser Kolonisten ist im Einzelnen sehr ver-schieden, aber derart scheint sie mir immer, daß siedas Herz jedes Christel: zu innigem Erbarmen bewegenmuß. Oder ist es nicht erschütternd, was ein 37jährigerMann, der sich früher gut gehalten hatte, dann aber durchVerbitterung über erlittenes Unrecht und körperliche Hem-mungen der Trunksucht verfallen war, auch eine gericht-liche Bestrafung erlebt und seither keine feste Anstellungmehr gefunden hatte, einem Komitemitglied schrieb:Aufder ganzen Welt habe ich keinen Menschen, an den ichmich wenden könnte, wahrhaftig, der verlorene Sohnim reinsten Sinne des Wortes. Ich möchte so gernewieder ein nützlicher Mensch werden; aber ich sehe ein,daß ich aus eigener Kraft mich nicht emporarbeiten kann.