ihn nackt und mit Spott von dannen. Sage, mein König,wirst du, wenn er also zu dir kommt, ihm nicht vondeinen besten Kleidern geben und ihm die Schande mitEhren vergelten?“
Da antwortete der König und sprach: „Nun wohl,aber was soll dieses, und wo ist solches geschehen?“
Da sprach der fromme Bischof: „Siehe, du kannstmich auch entkleiden von diesem irdischen Gewände;aber ich habe einen Herrn, der wird mich neu bekleiden.Sollte ich denn des Kleides achten und die Treue dafürhingeben?“
Da sprach der heidnische König: „Gehe, ich schenkedir dein Leben!“
9. Alles zum Guten.
Immer gewöhne sich der Mensch zu denken: „WasGott schickt, ist gut, es dünke mir gut oder böse.“
Ein frommer Weiser kam vor eine Stadt, derenTore verschlossen waren; niemand wollte sie ihm öffnen ;hungrig und durstig musste er unter freiem Himmelübernachten. Er sprach: „Was Gott schickt, ist gut,“und legte sich nieder.
Neben ihm stand sein Esel, zu seiner Seite einebrennende Laterne um der Unsicherheit willen in derselbenGegend. Aber ein Sturm entstand und löschte seinLicht aus. Ein Löwe kam und zerriss seinen Esel. Ererwachte, fand sich allein und sprach: „Was Gottschickt, ist gut.“ Er erwartete ruhig die Morgenröte.
Als er aus Tor kam, fand er dasselbe offen, dieStadt verwüstet, beraubt und geplündert, eine ScharRäuber war eingefallen und hatte eben in dieser Nachtdie Einwohner gefangen, weggeführt und getötet. Er warverschonet. „Sagte ich nicht,“ sprach er, „dass alles,was Gott schickt, gut sei? Nur sehen wir meistens amMorgen erst, warum er uns des Abends etwas versagte.“