Der Vater sah ihm lächelnd zuund sagte: „ Datteln pflanzest du ?
0 Kind, da musst du lange warten,denn wisse, dieser edle Baumträgt oft nach zwanzig Jahren kaumdie ersten seiner süssen Früchte.“
Karl, der sich dessen nicht versah,hielt ein und rümpfte das Gesichte.
„Das Warten soll mich nicht verdriessen;belohnt die Zeit nur meinen Fleiss,so kann ich ja dereinst als Greis,was jetzt der Knabe pflanzt, gemessen.“
15. Die treuen Bruder.
Zur Zeit der Ernte kamen zwei rüstige Jünglingeaus dem Gebirge herab in das ebene Land, wo es anArbeitern fehlte, und sagten zu einem Bauer: „Wirbeide wollen Euch die ganze Erntezeit hindurch helfen,Euer Getreide heimzubringen, wenn Ihr uns die Kost undzehn Thaler Lohn gebet!“
„Zehn Thaler ist zu viel,“ sagte der Bauer; ,,ich meine,zehn Gulden wären mehr als genug.“ — „Nein,“ sagtendie Jünglinge, „es müssen gerade zehn Taler sein; mitweniger ist uns nicht geholfen. Wollt Ihr uns nicht soviel geben, so bieten wir unsere Dienste einem andern an.“„Wozu habt ihr denn so viel Geld notwendig?“fragte der Bauer. „Seht,“ antworteten sie, „wir habenzu Hause einen jüngem Bruder, der bereits vierzehnJahre alt ist. Ein geschickter Wagner will ihn in dieLehre nehmen, verlangt aber durchaus zehn Taler Lehr-geld. So viel Geld aber weiss unser alter Vater nichtaufzubringen. Da haben wir zwei ältere Brüder unsdenn verabredet, dieses Geld zu verdienen“.
„Nun wohl, sagte der Bauer, „wegen euerer brüder-lichen Liebe will ich euch zehn Taler geben, wenn ihrso fleissig arbeitet, dass ich damit zufrieden sein kann.“