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die Universität neu begründet und durch neue Gesetze geordnet;er führte in ihre Lehrverfassung den Grundsatz der Toleranzein und schuf ihr durch weise und sparsame Regierung guteFinanzverhältnisse. Unter Karls Regierung noch blieb die Anstaltin blühendem Zustande, bald nach seinem Tode aber ging sie, vonHeidelbergs schwerem Unglück mit betroffen, einem raschen Ver-fall entgegen. In dieser Periode des Rückganges war es Brunnerbeschieden, seine Lehrtätigkeit beginnen zu dürfen. Ein demreformierten Glauben abtrünniges und von Jesuiten erzogenesFürstengeschlecht, die Pfalzgrafen von Neuburg hatten die kur-pfälzischen Staaten geerbt, und unter dem 70jährigen Philipp Wilhelm , dem ersten Fürsten aus diesem Hause, feierte die Hoch-schule die oben erwähnte Jubelfeier.
Drei „Professores ordinarii“ repräsentierten bei diesem Festedie medizinische Fakultät; die „viri experientissimi celeberri-mique“ Qeorgus Francus, Joannes Mathias Lucas und JoannesConradus Brunnerus. Am 2. Oktober 1686 war Brunner zugleichmit Lucas in den Senat aufgenommen worden und hatte achtTage später seine Inauguralrede gehalten. Kollege Frank vonFrankenau war schon 1674 rezipiert worden. In diesem war eineZeitlang die ganze Fakultät verkörpert. Die Anatomie „docuitsedulo, cadavera aperuit multa“; daneben machte er sich um An-legung eines neuen botanischen Gartens verdient. Lucas wird als„Pathologus publicus“ aufgeführt. Frank war auch fleißigerSchriftsteller. Von den Besoldungen erfahren wir, daß im Jahre1672 die drei Professoren 270, 180 und 170 fl. erhielten 1 ). NebenGulden wurde auch mit Viktualien, mit „Fuder Weins“ und„Malter Korns“ bezahlt, was in gegenwärtigen Zeitläuften wiedermancher Professor gerne akzeptieren würde. Als später der Kriegüber die Pfalz zog, stand es schlecht mit den Finanzen und mitder Auszahlung der Gehälter; das bekam auch unser Brunner zuspüren 2 ).
*) Diese Daten sind den zitierten Quellen, Acta sacrorum etc., Syllabus so-wie Hautz Universitätsgeschichte entnommen.
2 ) Im Universitätsarchiv Heidelberg befindet sich ein von Herrn Prof. Willeuns freundlichst zur Einsicht zugestelltes Aktenbündel, welches fast aus lauterBesoldungsabrechnungen und Reklamationsbriefen Brunners wegen rückständigerGehälter besteht. Die Briefe datieren aus Mannheim , Wien , Düsseldorf und reichenbis ins Todesjahr Brunners (1727) hinauf. Nach seinem Tode macht weiter (1728)seine Frau, die „Wittwe Mary Magdalena von Brunn“, sowie einer seiner SöhneAnsprüche geltend.