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Joh. Ulrich Rebsamen, thurg. Seminar-Direktor : sein Lebens- und Charakterbild / gezeichnet von Jakob Christinger
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wie freundlich, dankbar und liebevoll und mit wie verklärtem Ange-sichte er darauf geantwortet hat. Es waren arbeitsvolle, aber auchschöne und gewinnreiche Tage, die jetzt für uns junge Studenten zu denFüssen des trefflichen Lehrers aufgingen.

Wir fühlten einen rechtschaffenen Hunger nach den Wissenschaftenund hatten uns lange genug bei den Anfangsgründen aufgehalten. DasSeminar war nach dem Weggang des hochverdienten Jakob Wehrli (imHerbst 1853) und zum Teil schon in den Jahren seiner letzten Wirk-samkeit in seinen alten überkommenen Hofwyler Formen erstarrt, weilder Geist sie nicht mehr wie früher belebte. Es ging unter der Hand-habung der Ordnung viel Zeit unnütz verloren; jeden Tag musste einZögling alsOrdnungsWächter sämtliche Lehrstunden versäumen, um sichden Hausgeschäften und der Aufsicht zu widmen. Der Betrieb derLandwirtschaft nahm ebenfalls viel Zeit in Anspruch, von der wir mein-ten, dass sie eigentlich den Studien und der Übung in den Kunstfächerngehörte, und dazu sollte in dreissig Monaten unsere ganze Bildung fürden Lehrerberuf vollendet sein, während manche von uns bei ihremEintritt nicht einmal über einige Sekundarschulbildung verfügten, sondernvon der Primarschule und von der Bearbeitung der Ackerscholle her indie Anstalt gekommen waren.

Da hat uns, die wir einer bessern Zukunft harrten, Rebsamen einenneuen Geistesfrühling gebracht, ein reges wissenschaftliches Leben,ein neues und hochgehendes Streben nach Wahrheit, Bildung,geistig-sittlicher Freiheit und Tüchtigkeit. Es war wie eine Erlösungvon leerer Formen Zwang, was damals mit ihm in die altenKlostermauern unserer Behausung eingezogen ist. Durch sein reichesund fest gefügtes Wissen und Verstehen, wie durch die licht-volle Klarheit seines Vortrages bot er uns frische Geistesnahrung dar.Durch seinen milden Freisinn, seine Humanität und Vaterlandsliebewirkte er auf Gemüt und Charakter ebenso wohltätig ein. Es warkeine hochfliegende Begeisterung, aber ein stiller, glühender Eifer fürdas Werk seines Berufes, für unsere Bildung und Erziehung, der ihnbeständig beseelte. Seine Hauptfächer: Deutsche Sprache, Literatur,Pädagogik und ihre Iiülfswissenschaften arbeitete er selbständig und mitgrösster Sorgfalt in Heften aus und trug sie mit so ruhiger Klarheitund Ordnung, aber auch mit so viel Anteil und Wärme vor, dass es fürdie begabteren Schüler eine Lust war, ihm zu folgen und auch dieweniger Befähigten nicht leer ausgingen. Besonders anregend warenseine Besprechungen über den behandelten Stoff, kurze Repetitionen vonStunde zu Stunde, wobei er ebenso bestimmt und trefflich zu fragen, wie