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zu erläutern wusste und jeden verständigen Hörer, so viel es die Zeiterlaubte, zum Worte kommen liess. Es war kraftbildende Übung, nichtblosse Wiederholung des Gelernten, und man langeweilte sich trotz derStrenge der Methode selten dabei.
Besonders ausführlich, umfassend und sorgfältig war sein Heft überdeutsche Grammatik gearbeitet. Durch treffliche Gruppirung desStoffes, durch Klarheit und Einfachheit der Definitionen und durch prak-tische Anlage für den Gebrauch der Schule ist es ein Werk von bleiben-dem Werte. Wer darin wohl bewandert war, der konnte jede sprach-liche Erscheinung richtig bezeichnen, jede Periode auflösen, jeden Fehlerim Sprachbau erkennen und das Gesetz angeben, welches bei der Ver-besserung zur Anwendung kommen musste. Er hat es nie im Druckeherausgegeben, doch bildet es einen Schatz in seinem Nachlass, der viel-leicht später noch einem weiteren Kreise von Schülern zu gute kommenwird. Bei der Korrektur der Aufsätze vor der Klasse pflegte er eben-falls auf die Regeln und Sprachgesetze zurückzugehen und die Schülerselbst finden zu lassen, warum eine Schreibart oder Konstruktion alsunrichtig zu bezeichnen sei. Auch wählte er mit Vorliebe solche The-mata aus, für deren Bearbeitung der Schüler sich einigermassen vorbe-reiten musste und wobei er noch etwas lernen konnte, forderte aber,dass die Ausarbeitung dann frei aus dem Kopfe und ohne Hülfsmittelgeschehe.
Die pädagogischen Systeme ältern und neueren Ursprungshatte er fleissig studirt und fuhr fort, sich mit ihnen zu beschäftigenund von jeder bedeutenden Erscheinung auf diesem Gebiet Kenntnis zunehmen. Doch gab er sich keinem derselben völlig zu eigen hin, son-dern wählte aus jedem das ihm Gutscheinende aus, das er dann aucham richtigen Orte in seinen Vorträgen unterzubringen und zu verwertenwusste. Am meisten war er wohl von der Ethik des Aristoteles,der Didaktik des Amos Comenius und von der Psychologie undPädagogik seines Lehrers Fr. Ed. Beneke beeinflusst. In Theorieund Praxis bekannte er sich zu dem aristotelischen Grundsätze,dass die Wahrheit und die Tugend, ebenso das Nützliche und Brauch-bare stets zwischen zwei Extremen in der Mitte liegen und nie in einereinseitigen Richtung gesucht werden müssen. „Die Extreme taugennicht“ — pflegte er zu sagen, wenn er von Neuerungen hörte, die ihmvon der bewährten goldenen Mittelstrasse weit abzugehen schienen.Doch war es nicht das Mittelmässige, sondern das weise Masshalten inallen Dingen (rb fiijäiv ayav des Solon ), was er meinte. Es hängt mitseinem eklektischen (auswählenden) Standpunkte zusammen, dass er vor-