170
An seine Frau. (Nr. 17—25.)
17 . Genf , den 8. September 1832.
Meine Liebe!
Pasteur , der weltberühmte Entdecker der ganzen jetzigenGährungs-, Ansteckungs- und sonstigen Bakterien-Theorie, der Vor-läufer Listers, liest soeben in dem zum Erdrücken vollen Saaleder Universität Genf ; unter Hunderten grauer und sonst nochweiser und gelehrter Häupter, sitzen auch wissensdurstige Damen;ein Haufen Barbaren schleichen sich wieder hinaus, um mit wenigerSchweiß den Vortrag später gedruckt zu lesen — und unter diesenbin leider auch ich.
Die Congresse' sind alle gleich: Schaustellungen, nebenbeiaber auch höchst werthvolle Berührungspunkte für alle möglichengeistigen Interessen. Ich trank gestern Abend mein Bier ineinem Kreise der größten deutschen Gelehrten: Börner, Hirsch,Koch!, Pfeiffer, Guttstadt, Eulenb erg und Varrentrapp;ich traf viele schweizerische Freunde und besuchte nachher mitdiesen die amtliche Röunion im t'oz-'sr ckn URsLtro. EtwasKöniglicheres siehst Du in keiner Residenz. Die Gesellschaft be-stand aus wenigstens 400 Mitgliedern und es war mir wohl-thuend zu sehen, daß die Deutschen sich auch wieder herbeigelassen.Mein Sprüchlein habe ich heute Vormittag glücklich losgelassenund zu Mehreren: bin ich weder verpflichtet noch gewillt.
Dein Brief von Ragaz hat nur heute mein Essen und meineStimmung gut gemacht und ich bin Dir sehr dankbar, wenn Dumir bald wieder ein paar Worte schreibst. Ich habe etwas wieein böses Gewissen, daß ich Dich verlassen. Verheimliche mirnichts! Wenn Du wieder der Massage bedürftest, komme ich so-fort zurück und das gerne, ohne ein „Opfer" zu bringen! UnsereGedanken und Hoffnungen fliegen auf denselben weiten Wegenund nach demselben Ziele! Und wie geht's B erth a und Hansli?
r Es handelt sich hier um den IV. internationalen hygieinischenCongreß.