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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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Sie verteilt sich in den Stromgebieten nnd bildet so wohl Straßen, undda einzelne Gewässer oftmals nur an einer Stelle ihres Laufes diegeeignete Triebkraft gewähren, sind auch viele große gewerbliche Anlagenneben jenen Straßen über das Land zerstreut. Dieses Urteil vonDr. Emminghaus ist durch das Aufkommen der Dampfbeförderung, dieAusdehnung der Dampfkraft in unserer Industrie und die Elektrizitätund ihre Kraftübertragung hinfällig geworden. Auch in unserm Landhat eine Konzentration der Bevölkerung stattgefunden, deren Abschlußnoch nicht erreicht ist, und die als Zug vom Lande nach der Stadt heutesehr viel zu reden und zu denken gibt. Die einzelnen Stadien dieserBevölkernngsvermehrung und Verschiebung sollen im Nachfolgenden kurzgeschildert werden.

n) Die Binnenwanderung.

Wie die Schweiz nach ihrer absoluten Bevölkerung in der Reiheder europäischen Staaten nur eine sehr untergeordnete Stellung ein-nimmt, so steht sie auch nach dem Verhältnis der Einwohnerzahl zumFlächeninhalt zurück. Ihre relative Bevölkerung von 80 Einwohner auf1 iou- des Gesamtareals wird von derjenigen Deutschlands , Groß­ britanniens , Italiens , Belgiens und der Niederlande zum Teil rechtweit überholt. Anders freilich gestaltet sich das Verhältnis, wenn derwirklich ertragsfähige Boden statt des Areals überhaupt als Maßstabangenommen wird. Nach Abzug des Flächeninhalts der Gletscher, Seen,Flüsse, Bäche rc., ergibt sich bei einer kulturfähigen Fläche von29 , 691,8 Iciu^ eine Bewohnerzahl von 112 Seelen auf den krn-, Damitsteht die Schweiz in der Reihe der größern europäischen Staaten nurhinter Belgien , den Niederlanden und Großbritannien zurück.

Seit 1850 ist die relative Bevölkerung umrund 39°/o angewachsen.Halt man mit dieser Erscheinung den Bonitätsgrad des urbaren Bodensunseres Landes, sowie die herrschende landwirtschaftliche Betriebsart zu-sammen, so ergibt sich daraus ohne weiteres der Schluß fortschreitenderJndustriealisirung unserer Bevölkerung. Ohne eine solche wäre dasWachstum der schweizerischen Bevölkerungszahl innerhalb der letztenfünfzig Jahre des 19. Jahrhunderts um 921,077 Köpfe, sowie diebeinahe lückenlose Steigerung dieser Bevölkerungszunahme undenkbar.Die Steigerung der Bevölkerungszunahme von Jahrzehnt zu Jahrzehntsank einzig zwischen den Jahren 1880 und 1888 auf einen so tiefenStand, wie sie in keinem der frühern Jahrzehnte eingenommen hatte.Dafür zeigte die Volkszählung vom 1. Dezember 1900 wieder eine sehr