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nicht nur den ganzen Geburtenüberschuß, sondern dazu noch einen kleinenTeil ihrer übrigen Bevölkerung durch Auswanderung verloren, warendie vorwiegend gewerblichen Bezirke im Falle, zu ihrem Geburtenüber-schuß noch einen kleinen Teil der Auswanderer aus den landwirtschaft-lichen Gegenden aufzunehmen. Aber selbst die gewerblichen Gegendenverloren nach Ausschluß der größern Städte im großen Ganzen mehrBevölkerung als sie gewannen.
Die ländlichen Bezirke gaben viel mehr Leute ab, als sie zurück-empfiengen. Zwischen 1880 und 1888 sind aus den Bezirken mit 40und mehr Prozent Landwirtschaft 610,000 Personen ausgewandert undnach den gewerblich städtischen Bezirken gezogen, während nur etwa470,000 Personen den umgekehrten Weg eingeschlagen haben. Somithaben die ländlichen Bezirke rund 140,000 Personen durch Abwanderungnach den gewerblich-städtischen Bezirken der Schweiz verloren.
Von allen Kantonen weisen bloß 4 eine Mehreinwandernng auf,nämlich Baselstadt , Genf , St. Gallen und Zürich . In allen übrigenKantonen sind mehr Personen ausgewandert als eingewandert. Von denBezirken sind es 40, in denen die Einwanderer und 142 in denen dieAuswanderer überwogen. Es traten also die Gebiete an Umfang sehrzurück, welche zwischen 1880 und 1888 befähigt waren, Bevölkerung vonauswärts aufzunehmen, gegenüber denjenigen, welche das Bedürfnisfühlten, sich ihres natürlichen Bevölkerungszuwachses durch Geburten-überschuß wieder aus dem Wege der Auswanderung zu entledigen. Auchim vorhergehenden Jahrzehnt waren die Verhältnisse ungefähr dienämlichen, woraus man schließen darf, daß für den größern Teilunseres Landes die Auswanderung überhaupt nicht als eine abnormaleErscheinung und nicht als bloße Folge vorübergehender Zeitläufte, son-dern im großen und ganzen als ein notwendiges und dauerndes Er-gebnis der vorhandenen natürlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zubetrachten ist.
I>> Die Auswanderung.
Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß neben der Binnen-wanderung auch die Auswanderung bei uns eine bedeutende Rolle spielt.Neben den ökonomischen Ursachen mag auch die dem Schweizer mancherGegenden im Blute steckende Wanderlust das ihrige dazu beigetragenhaben. Der Trieb nach der Fremde hat sich dort seit der Söldnerzeitvon Generation zu Generation vererbt. Strebsamkeit gepaart mit Unter-nehmungslust und Zuversicht in die Leistungsfähigkeit kommen als weitere