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1») Motorenlieiiühullg.
Neben der Arbeitskraft oder der Beteiligung der Bevölkerung ander Produktion hat die Verwendung motorischer Kraft als Maßstab fürdie Produktions- und Konkurrenzfähigkeit eines Landes zu gelten. Die-selbe hat infolge des Reichtums unseres Landes an Wasserkräften eineetwas eigenartige Entwickelung genommen. Es ist die Wasserkraft, welcheder schweizerischen Industrie ihren eigentümlichen Charakter gegeben hat.Ihr verdankt sie einen Teil ihrer Größe. Darum ist denn auch unsereIndustrie bei ihrer Ansiedelung den Wasserkräften nachgegangen. Alsbei Erweiterungen der ursprünglichen Etablissements sowie der Einführungneuerer Maschinen von viel stärkerer Konstruktion und Geschwindigkeit,die ersten Wasserkräfte nicht mehr ausreichten, suchte man mit Zuleitungneuer Zuflüsse, mit Anlegung größerer Wassersammler und mit Erhöhungder Gefälle zu helfen. Dann wurden die schwerfälligen und oft reparatur-bedürftigen Wasserräder mit Vorliebe durch Turbinen ersetzt. Seit Mitteder vierziger Jahre endlich erscheint die Dampfmaschine als Aushülsebei Zeiten der Trockenheit oder strenger Kälte. Trotz des großen Wasser-reichtums, dein natürlichen und starken Gefälle der zahlreichen Flüsseeinerseits und dem teuren Betrieb der Dampfmotoren anderseits hat dieZahl der letztern rasch zugenommen. Im Jahre 1870 betrug die An-zahl der Pferdestärken sämtlicher Dampfmaschinen 7753. Im Verlaufder nächsten sieben Jahre verdoppelte sich dieselbe beinahe, indem diedurch den schweizerischen Ingenieur- und Architektcnvercin veranlaßteund von Robert Abt bearbeitete „Statistik der Lokomotiven, Dampfkesselund Dampfmaschinen der Schweiz " für das Jahr 1877 für unsereDampfmaschinen 14,821 Pferdestärken ermittelte. Bis zum Jahr 1895war dieselbe auf 53,409 angewachsen. Die Schweiz kann also denVergleich mit dem Auslande auch in dieser Beziehung wohl aushalten,wie aus beistehendcr Tabelle ersichtlich ist, auf der die Dampfkraft inMillionen Pferdekräften zusammengestellt ist.