Buch 
Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
Entstehung
Seite
83
JPEG-Download
 

83

Y Ursduktenmenge.

Alle diese Angaben über den Stand der Gewerbekraft unseresVolkes sind nicht geeignet, dieselbe in ihrem vollen Umfange und ihrerganzen Intensität vor Augen zu führen. Sie geben uns zwar ein Bildvon der Steigerung der individuellen Produktivkraft durch technischenFortschritt und wirtschaftliche Organisation der Arbeit und des Kapitalssowie vom enormen Wachstum der Zahl der Arbeitskräfte. Aber überden Zuwachs dieser Leistungsfähigkeit an Menge und Wert und dieLeistungen der Armee Erwerbender erhalten wir daraus keine genügendeAntwort. Dem kann man allerdings entgegenhalten, daß sich Menge undWert der Produktion eines Volkes am Stand seiner Lebenshaltung, amVolkskonsum, Arbeitslohn, Transportverkehr und Ausfuhrhandel wenigstensindirekt schätzen und erfassen lassen. Der Grad, in dem ein Volk seinephysischen und psychischen Bedürfnisse zu decken vermöge, ohne seineKapitalien anzugreifen, sei der beste Maßstab für die Leistungen seinerGewerbekraft.

An diesem Maßstab gemessen könne die Schweiz den Vergleich mitandern Ländern Wohl aushalten. Ihre Ausgaben für psychische Bedürf-nisse seien verhältnismäßig hoch. Der Stand der Volksbildung seidurchschnittlich gut. Dafür seien so viele bekannte Anhaltspunkte undBeweismittel vorhanden, daß man dieselben nicht einmal aufzuzählenbrauche. Wem das Urteil über den Stand unserer Volksbildung, dieAngaben über die Auswendungen unseres Volkes hiefür nicht genügt,der möge sich daran erinnern, daß unser Land auch im Zeitungswesenin erster Linie steht, indem bei uns auf je 3,838 Einwohner ein Zeitungs-unternehmen kommt, während in Norwegen eines auf 5,099, in Frank­ reich auf 5,718, Holland 6,310, Deutschland 7,347, England 8,906,Österreich 9,557, Dänemark 9,808, Schweden 11,321, Belgien 13,837,Italien 14,320 und in Spanien je eines auf 20,665 Einwohner kommt.

Die Lebenshaltung nach der physischen Seite hin sei gleichfalls eineverhältnismäßig hohe und habe im Laufe der letzten Jahrzehnte einerasche und wesentliche Steigerung erfahren. Jedermann müsse gestehen,daß das Schweizervolk im Durchschnitt sich viel besser nähre und kleide,sowie besser wohne als nur vor vier Jahrzehnten. Als Beleg für dieseAnschauung werden eine Reihe von nicht in Abrede zu stellenden Einzel-beobachtungen angeführt, sowie etliche Angaben über den Jnlandskonsum.Als besonders hiefür geeignete Objekte werden regelmäßig die Konsum-artikel herausgegriffen, welche auf der Grenze des notwendigen Lebens-