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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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ist entschieden zu hoch gegriffen, wie unter anderin auch in den Monats-blättern des schweizerischen Arbeitersekretariats überzeugend nachgewiesenwurde. Obwohl sich das Gewerbesekretariat bei seiner einen großenAufwand von Arbeit verursachenden Erhebung Mühe gab, das Erhebungs-gebiet auf das eigentliche Gewerbe zu beschränken, ist ihm dies nichtgelungen. Es hat nach zwei Seiten hin die Grenzen für die Kleinindustrieund das eigentliche Handwerk zu weit gefaßt. Es zählte zur Ersternnamentlich bei der Buchdruckerei, den Baugeschäften und der Klavier-fabrikation rc. offenbar Großbetriebe mit, während der Letztem namentlichArbeiterinnen zugewiesen wurden, welche zu Hause für große Geschäftearbeiten und als Angehörige der Hausindustrie zu betrachten sind. Beiden Lohnsätzen sind verschiedentlich Maximalsätze und im ganzen mehrdie städtischen Verhältnisse berücksichtigt worden. Ferner wurde beiBerechnung des Produktionswertes privatwirtschaftlich und nicht volks-wirtschaftlich gerechnet, indem der Wert der Rohmaterialien unrichtiger-weise aufs Konto des Gewerbes gesetzt, sowie mehreremale in Anrechnunggebracht wurde.

Endlich kann die Ausfuhrstatistik bis zu einem gewissen Grade alsErsatz einer Produktionsstatistik in den Riß treten. Sie würde mit einerausreichenden Konsumtionsstatistik sogar jene völlig ersetzen können. Nunfehlt aber selbstverständlich eine solche und müssen wir uns begnügen,der Ausfuhrstatistik für unsere Zwecke wenigstens einige Züge ablesenzu können.

Der Export der Schweiz besteht Jahr für Jahr zum größtenTeil aus Fabrikaten, welche im letzten Jahr mit einem Wert vonFr. 643-894,000 nicht weniger als 77,,"/« des Gesamtausfuhrwertesausmachten. Der Lebensmittelexport, dessen prozentualer Anteil amGesamtexport im genannten Jahr 12,z^°/g betrug, besteht zum größtenTeil aus fabrizirten Nahrungsmitteln. Die Nahrungsmittel im natür-lichen Zustande, wie Schlachtvieh, Fleisch, frische Milch, Obst, Gemüsebilden nur einen verschwindenden Anteil an der Gesamtlebensmittel-ausfuhr, an welcher Käse und Butter, kondensirte Milch und Kindermehl,Chocolade, Maggiartikel, Spiritussen die Hauptbeteiligten sind. MitBerücksichtigung der Lebensmittelindustrie wären daher über 87°/g alsExport von Fabrikaten zu bezeichnen, womit die Schweiz unbedingt ander Spitze aller Industrieländer steht.