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diese letztere doch kein ganz einwandfreier Maßstab der Leistungenunserer Gewerbekraft. Schwarzseher werden diesen Stand der Lebens-haltung als zu hoch bezeichnen im Verhältnis zu der Produktionsleistungunseres Volkes. Diese Behauptung, welche eine ihrer Hauptstützen inder Passivität unserer Handelsbilanz sucht, wäre am leichtesten durch dieResultate der Produktionsstatistik zu widerlegen; denn diese ist der besteMaßstab für den Stand der Gewerbekrast eines Volkes. Allein leiderfehlt uns Schweizern auch diese. Doch können wir uns wenigstens indiesem Punkt damit trösten, daß dies auch in andern Staaten der Fallist, und man sich auch dort mit Schätzungen zufrieden geben muß, sowiedaß wir eine amtlich organisirte Produktionsstatistik weniger nötig habenals andere Länder, weil als Ersatz derselben in sehr vielen Fällen dieEinsuhrstatistik treten kann. Erzeugt ja unser Land fast gar keineindustriellen Rohstoffe. Während wir nur die Baumaterialien und dasHolz nebst einigen tierischen Rohstoffen aus der eigenen Produktionbeziehen, sind wir für alle anderen, namentlich die großen textilen undmineralischen Stoffe ganz aufs Ausland angewiesen. Daher lassen sichaus der Einfuhr von Rohstoffen dieselben Schlußfolgerungen auf dieLeistungsfähigkeit wenigstens der schweizerischen Industrie ableiten wiein andern Ländern aus der Produktionsstatistik.
Es betrug die Einfuhr an:
im ganzen:
per Kopf der Bevölkerung
kK
Kohle . . .
20570,28V
549
Roh-Eisen
981,069
29,°
Baumwolle .
231,871
6,g
Seide . . .
44,620
1'Z
Neben diesem indirekten Maßstab für den Produktionswert besitzenwir auch eine Anzahl von Schätzungen. Nach Berechnungen auf Grundder Viehzählung und der Erntestatistik kann man den jährlichen Pro-duktionswert unserer Landwirtschaft auf mindestens 550 Millionen an-setzen. Auf ungefähr den gleichen Betrag, d. h. auf 560 Millionen setztman die Produktion der schweizerischen Großindustrie an, während derProduktionswert des schweizerischen Handwerks auf höchstens 340 undderjenige des Haussteißes auf 80 Millionen Franken geschätzt werden darf.
Allerdings setzt die vom schweizerischen Gewerbeverein durchgeführteund als Anhang seines 20. Jahresberichtes unter dem Titel: „Über dieProduktion und volkswirtschaftliche Bedeutung der schweizerischen Ge-werbe" publizirte Produktionsstatistik den Gesamtwert der Jahrespro-duktion des Gewerbes auf Fr. 1l33'305,000 an. Allein diese Summe