s.
Von der Landivirthsehnst und dem Landwirthe.
Die Erde, auf der wir wandeln, ist auch die Mutter, welche unsAlle nährt und kleidet und in unerschöpflicher Fülle darbietet, was zurNothdurft und zum Genusse des Lebens gehört.
Der Erde ihren Segen abzugewinnen, und sie zu pflegen, daß sichderselbe ununterbrochen erneuert, ist zunächst der Beruf des Land-wirthes, sei er Ackersmann oder Weingärtner, Obstzüchter oder Senne;Jeder ist darauf hingewiesen, das Land zu bauen und zu Pflegen, da-mit es ihm Ernte gebe zu seiner Zeit. So war es auch nach der heili-gen Schrift von Anfang an. Gott setzte den ersten Menschen in denGarten Eden, „ihn zu bauen und zu bewahren", und die Söhne desselbenwaren der Eine ein Ackermann, der Andere ein Hirte. Der Ackermanntödtet den Hirten und seine Kinder bauen sich feste Wohnsitze und pflegendie Künste des Friedens und die Gewerke (I. Mos. 4). Das ist dasUrbild der menschlichen Geschichte.
Soweit unsere geschichtlichen Kenntnisse zurückreichen, wissen wir,daß die ältesten Völkerschaften bloß von der Jagd auf die Thiere desFeldes, des Waldes und des Wassers lebten. Das war der einfachsteund natürlichste Erwerb der Lebensbedürfnisse, daß der Mensch ohneweiters hinnahm, was ihm die Natur freiwillig darbot. Je mehr sichaber die Menschen mehrten, und das Wild sich minderte, desto unsichererund mühseliger wurde dieser Erwerb. Die Menschen begannen nun,einzelne geeignete Thierarten zu rühmen und zu Pflegen, und aus denJäger Völkern wurden Hirtenvölker.
Sie konnten es bleiben, so lange ihre Heerden genügende Weidefanden, und es ihnen zusagte, umherzuziehen von einer Gegend in die
1
»