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Zur Steilschriftfrage : Referat für die thurgauische Schulsynode in Diessenhofen, Montag den 19. August 1895 / von J. Gut, Lehrer in Arbon
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Zur Beseitigung der angeführten Mißstände verlangendaher viele Stimmen, insbesondere aus den Kreisen derMediziner, die steile (senkrechte) Schrift, die nur beigerader Mittenlage des Heftes auszuführen ist und dieeine gerade Haltung des Körpers und eine gleichmäßigeInanspruchnahme beider Augen bedingt.

So kam also dann die Steilschriftbewegung in Fluß,um die sich Aerzte und Lehrer lebhaft interessieren.Im Ausland und in der Schweiz wird seit Jahren dieSteilschrift eifrig diskutiert und in zahlreichen Schulenpraktisch erprobt, und es hat sich aus Schriften pro etcontra, aus zahlreichen Berichten und Gutachten, in denendie gemachten Erfahrungen aufgezeichnet sind, eineziemlich reichhaltige Steilschriftlitteratur gebildet.

Ihr Referent hat selber keine Versuche mit derSteilschrift gemacht. Ich unterließ es nicht etwa ausGleichgültigkeit oder aus grundsätzlicher Abneigung gegendie Neuerung, sondern hauptsächlich aus dem Grunde,weil ich die Ueberzeugung habe, daß unsere tkurgau-ischen Schulen für solche Proben kein besonders günstigesVersuchsfeld sind. Sollen Versuche dieser Art nämlichvon Wert sein, so müssen sie durchaus genau und ge-wissenhaft durchgeführt werden, was in unseren viel-klassigen ganzen Schulen oder in den meist sehr starkbevölkerten Unter- und Oberschulen auch beim bestenWillen nicht in der Weise möglich ist, daß solche Ex-perimente auf unbedingte Zuverlässigkeit Anspruch machenkönnten. Man kann allerdings sagen und durch Schrift-proben zeigen, daß diese und jene steilschreibende Schulees zu recht schönen Resultaten gebracht hat; allein dasgleiche wird man ganz sicher auch von vielen schräg-schreibenden Klassen behaupten können. Die Hauptsachewäre, wenn nachgewiesen werden könnte, daß die Körper-