Buch 
Streifzüge im Thurgau : Vortrag gehalten in der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich am 22. Februar 1896 / von J. R. Rahn
Entstehung
Seite
34
JPEG-Download
 

84

einfachen originelle» Architektur zu bieten, deren Stilonf die Wende des dreizehnte» und vierzehnten Jahr-hunderts wies.

Um dieselbe Zeit mögen die Kirche und Teile derKlostergebäude erstellt worden sein. Wüst und unwirt-lich starrten ihre Mauern empor mit gähnenden Breschenund zerborstenen Giebeln. Stellenweise war der Mörtelabgefallen, dass das Brnchstcinwcrk, mitunter imAehrenvcrbande, zu Tage trat. Allein auch andereshatte die Glut gelöst und ich innsz sagen, dast es mirbleibend zur Genugthuung gereicht, die Kirche nocheinmal in einem Zustande gesehen zu haben, der wenig-stens annähernd ihr ursprüngliches Bild zur Anschau-ung brachte. Ruf; und Staub hatten bis vor Kurzemdie Wände verdeckt und eine Kruste gebildet, die keilteFarmen, ja kaum mehr eine Erhebung erkennen liess.Nun hatte sich die reinigende Kraft der Flammen be-währt: so ganz war stellenweise die Schwärze abge-blättert, dass grosse Flächet, weist und sauber standenund Dinge zu Tage traten, von denen wir vordemkeine Ahnung hatten. Thatsächlich liest sich das ganzeSystem der inner» Ausmalung erkennen, die ausrotem Fugenivcrk auf meisten! Grunde bestund. Hie undda traten auch die Neste von Bildern zu Tage, Conse-cralivnskreuze und vor allen, der heilige Wächter, Sk7Ehristoph, der in Riesengröhe. volle süns Meter vomScheitel nur bis zum Knie gemessen, von der Nord-wand des Chores hcrunlerschautc. Gleichermassen ivardas Oratorium gesäubert, das sich in Form einesParallelganges der Südseite der Kirche anschlost. Auchhier traten Bilder aus dem vierzehnten Jahrhundertzu Tage. Heiligensignrcn und zerstörte Legenden, die auseine vollständige Bemalung dieses Naumes zu deutenschienen. Mit einem Worte, es war ein fieberhafterEifer, der -um Fragen, Suchen und Schassen spornte.

Und noch einmal bot sich in letzter Stunde der An-last dar, etivas Näheres zuhören. Vor wenigen Wochen