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Es muß befremden, daß das durch die Phylloxerabereits ungeheuer geschädigte Europa die Einschleppungeines neuen Todfeindes der Rebe, der Peronospora viticola,zuließ, ohne auch nur die geringsten Vorsichtsmaßregeln zutreffen, trotzdem man den gefährlichen Krankheitserregergenau kannte und trotzdem einsichtige Männer dringendmalmten, bei dem massenhaften Import exotischer Reben auchdiesem Pilz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Aberdie Worte eines Max Oornu und ähnlicher „Pessimisten“verhallten resultatlos und die Prophezeiung wurde erfüllt:Zum zweitenmal brach das Unglück mit elementarer Gewaltüber die europäischen Rebengelände herein. — DieselbeSorglosigkeit trifft man übrigens leider nicht selten auchheute noch sowohl in leitenden Kreisen wie in den Reihender Landwirte; es ist eben eine psychologische Tatsache,daß die Menschheit viel mehr Sinn und Bereitwilligkeit zeigt,die Vorteile irgend einer Erscheinung zu potenzieren, als be-vorstehende Nachteile durch Vorsorge zu verhindern.
Glücklicherweise gelang es der weinbautreibenden Be-völkerung relativ bald ein Mittel zu finden, um dem mitWindeseile über den Kontinent sich ausbreitonden fälschenMehltau erfolgreich entgegen treten zu können; aber es bleibenimmerhin noch zwei Feinde übrig, welche — langsamerzwar, jedoch ebenso sicher wie die Peronospora — die ein-heimischen Reben zu vernichten drohen und in diesem Zer-störungswerk bis jetzt gar nicht oder nur teilweise gehindertwerden konnten: die kalifornische Krankheit (Bakterien-Gummikrankheit, gommose bacillaire) und die Phylloxeravastatrix.
Die Gummose wurde zuerst im Jahr 1882 vonKalifornien aus signalisiert, wo sie in der Gegend von An-heim auftrat und anfänglich wenig beachtet wurde. Dieletzten amtlichen Berichte aus jenen Distrikten melden da-gegen bereits die totale Vernichtung von 12 000 ha Wein-gärten und der thatsächliche Schaden, den diese neue Krank-heit anrichtoto, wird auf rund 80 Millionen Mark geschätzt.Auch in Frankreich und Algerien nimmt sie in der aller-letzten Zeit einen immer gefährlicheren Charakter an, undwenn auch bei diesem Anlaß wieder einige Optimisten die-jenigen belächeln, die zu sofortigen ernsten Maßregeln und