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Die Förderung der Talente auf der Stufe der Volks- und Mittelschule : Vortrag, gehalten in der thurg. Schulsynode zu Frauenfeld den 29. Juni 1896 / von Jac. Christinger, Pfarrer und Sekundarschulinspektor
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die ihrer Anlage entspricht und wodurch sie später auf die er-folgreichste Weise tätig sein können. Dazu leitet offenbareinerseits ein Gefühl für Gerechtigkeit und liebender Teilnahmean dem Lose des einzelnen Kindes, anderseits aber auch dierichtige Erkenntnis, dass dem ganzen Volke daraus eine grosseSumme lebendiger Kräfte und Faktoren der Wohlfahrt erwachsenmüsse, wenn jedes Glied am rechten Platze stehe und die ihmangeborenen Talente und Fähigkeiten in angemessenster Weiseentwickelt seien.

Für diese Bestrebung sind in unsern Tagen mehrere schwei-zerische Vereine und Gesellschaften fast gleichzeitig eingetreten,so der Kunstverein, der GewerbevereiD, die gemeinnützige Gesell-schaft und mehrere ihnen zugewandte Verbände in den Kantonen.Sie haben sich aber bisher wesentlich darauf beschränkt, zu er-mitteln, was der Staat und die freie Gemeinnützigkeit zusammentun können, um den ärmern und unbemittelten Talenten denWeg zu ihrer völligen Ausbildung und einem lohnenden Ziele zubahnen. Aufbringung der nötigen ökonomischen Mittel, richtigeVerteilung derselben an die Bedürftigen und Würdigen und end-lich Wegleitung durch bewährte und wohlgesinnte Männer (Patro-nate) waren deshalb die nächsten Aufgaben, die sie sich stelltenund nun mit vereinten Kräften zu erreichen suchen.

Ich möchte heute auf einen andern Weg hinweisen und ihn soviel als möglich klar zu legen suchen, der, wie mir scheint, gleich-zeitig oder noch früher betreten werden muss. Es ist meine festeUeberzeugung, dass ohne die Mitwirkung der Schule hier nichtsErspriessliches erreicht wird, dass aber mit ihrer Hülfe weitmehr als bisanhin geschehen kann, um den Talenten vorwärtsund auf die rechte Bahn zu helfen, sobald das Verständnis fürdiese Aufgabe heller und allgemeiner geworden ist. Was könnendie Volks- und Mittelschulen dazu beitragen, dass die wirklichenTalente unter den Kindern des Volkes erkannt, gebildet, beschützt,geleitet und so einer möglichst vollkommenen Entfaltung undeiner möglichst tüchtigen Lebensarbeit zugeführt werden? Dasist die Frage, worüber ich im Einverständnis mit Ihrer verehr!.Direktionskommission heute vor Ihnen einige Gedanken entwickelnmöchte. Es wird in meinem Vortrag die Kede sein: von demWesen des Talentes und seinen verschiedenen Arten, von derBildung desselben im allgemeinen und im besondern, von seinerBewahrung und Leitung, endlich von der Berufswahl und denAnfängen der beruflichen Vorbildung.