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Blaue Tage : : Wanderfahrten / / von J.C. Heer
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Eine sonderbare Begegnung! Es waren die Männervom Urnerboden, die ein junges Weib nach Spiringenzu Grabe brachten, dessen Leiche wegen der Ungang-barkeit des Gebirges wochenlang unbeerdigt gelegen hatte.

Das war damals, als ich mit einem Freunde inder schneeersüllten schlechten Schutzhütte des Klausen fastumkam vor Frost. Heute aber lacht das Gebirge mitder ganzen Fülle seiner Sommerreize, aus den Felsender Balmwand fliegen die Bergdohlen fröhlich aus, dieblauen, tiefsinnigen Enzianen blühen weit und breit ausjeder Felsenritze auf, Geklingel kommt von der Höhe,Ziegen, die das magere Alpengras abweiden, steigen aufFelsblöcke, sie halten mit ihren bernsteingelben Augenneugierig Ausschau nach uns, der jähe Pfiff des Murmel-tiers tönt durch die Stille. Und was war das? Hochan den Felsen der Clariden hat sich ein Stein gelöstund rast in gewaltigen Sätzen, bis er mit scharfem Auf-schlag in die tausend Trümmer fällt, welche neben derStraße liegen. Selbst am ruhigsten Tag sind die Geisterder Zerstörung im Gebirge geheimnisvoll am Werk undmahnen uns, daß auch die Berge vergänglich sind, diewir so gern die ewigen nennen.

Gebaut — wozu? — Zerstört — wozu?

Endlich haben wir den oberen Rand der Balmwanderreicht, aufatmend werfen wir einen Rückblick aus dasSchächental, das bis nach Altdorf wie ein in sanftenTönen spielendes Relief unter uns liegt. Klaps! ImEilflug haben uns zwei Radlerinnen in ihre (ünmernobsoura gesperrt. Wer hätte das jemals gedacht: Nad-lerinnen auf dem Klausen! Und diese Ungeniertheit!