Dem Manne, der unserm Gottfried Keller dasgroßartige biographische Denkmal errichtet, der unsso manchen Schriftsteller der Schweiz alter und neuererZeit in richtigem Lichte gezeigt, der mit so scharfemBlicke und doch mit so viel Liebenswürdigkeit Wesenund Geist der Vergangenheit wie der Gegenwart unsererLitteratur darzustellen vermocht hat, dem akademischenLehrer und dem fruchtbaren Gelehrten, der uns stetsVorbild sein wird, hier einen Nachruf zu widmen,fühle ich mich unter dem frischen Eindruck des erlit-tenen Verlustes weder berechtigt noch berufen. Nur derausdrückliche Wunsch der Leiter der Neuen Zürcher-Zeitung, die es als eine Pflicht gegenüber der L)effent-lichkeit betrachten, vom Leben und Wirken des Dahin-geschiedenen ihren Lesern ein Bild zu geben, kannmich veranlassen, eine biographische Skizze zu wagen,doch einfach und prunklos, lediglich Thatsachen bietend,wie es der verstorbene Freund und Kollege geforderthaben würde.
An einem frischen Julimorgen des Jahres 1867 —es war der 6. — eilten wir jünger» SchaffhauserGymnasiasten auf den Herrenacker, um das Schauspieldes Abzuges der eidgenössischen Schützenfahne unsanzusehen. Die Spitze des Zuges war längst die„Tanne" hinunter und an der Frohnwaage vorbei-marschiert, als die letzten den Sammelplatz verließen,und wir in der hintersten Reihe einen wohlbekanntenälteren Mitschüler erblickten, der sich, mit einer kleinenschwarzen Reisetasche ausgerüstet, den abziehendenSchützen angeschlossen hatte. Als er uns sah, rief er