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Kleine Sitten-Gemälde für Kinder / von J.M. Armbruster
Entstehung
Seite
27
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schicklichkeit, sagte der'Hofrath. Wie war es, wemich ihn herauf rief ? Er würde uns unterhalten undwir würden ein Werk der Barmherzigkeit thun?Sie gewinnen heute, Herr Werner... Ich weiß,von Ihnen allein hatte der arme Mann einige Tha-ler zu hoffen. Sie sind ja der Schuzpatron der Blin-den ! « Die Gesellschaft gab dem Vorschlage ihrenBeyfall und der Harfenspieler ward berufen. Er er-schien. Es war ein Greis mit schneeweißen Haaren.An der Hand eines kleinen Knaben wankte er herein.In seinen Gesichtszügen waren Redlichkeit und Kum-mer unverkennbar. Mit Theilnahme betrachteten ihndie meisten aus der Gesellschaft und mit eben sovieler Theilnahme hörten sie der Wiederholung seinesTrauergesanges zu. Gerührten Herzens näherte sichihm der biedere Hofrath, ergriff ihn bey der Handund fragte: Ob er lange schon blind sey?

Der Blinde. Seit zwey Jahren, guter Herr!Ach, ich glaubte wohl nicht: daß ich noch das Mit-leid Anderer würde suchen müssen. Geben sey seli-ger, als nehmen, dachte ich immer; arbeitete wacker,Gott segnete meinen Fleiß und ich könnte einst man-chem Leidenden seine Thränen abtröcknen. Jett istes Anders. Gott hat es so gewollt, sein Name seygepriesen!

Der Hofrath. Was für ein Gewerbe treibetIhr?