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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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125
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uns des Kaiserreichs.

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blieb. Würde er sich mit Korsakoff, der eine böse Scharte auszu-wetzen hatte und sich seinen Befehlen willig unterworfen haben würde,vereinigt haben, und wäre er auf das linke Rheinufer übergegangen,so unterliegt es keinem Zweifel, daß von solcher Uebermacht der ganzelinke Flügel Massena's wieder über die Limmath und Aar zurück-getrieben, und die Schmach der zweiten Schlacht von Zürich ausgeglichenworden wäre. Dadurch würde zugleich das Mißtrauen, ja der Haß,welchen Suwarow gegen die Oesterreicher hegte, gehoben oder wenig-stens sehr gemildert worden sein.

Am 12. October war Suwarow in Feldkirch eingetroffen. DemErzherzoge ließ er den Vorschlag machen, Graubündten aufzugeben,die Verschanzungen des Luciensteiges und die Rheinbrücke von Maienfeldzu zerstören, und durch sechstausend Oesterreicher die Stellung bei Feld-kirch zu besetzen, wahrend der russische Feldherr bei Meiningen undHöchst über den Rhein gehen, am 18. bei St. Gallen stehen und sichmit Korsakoff, der über Pfyn und Frauenfeld von Constanz undStein vorrücken sollte, bei Winterthur zu vereinigen. Bei diesem Planesetzte Suwarow stillschweigend die Mitwirkung des Erzherzogs Karlüber Schaffhausen voraus.

Dieser Plan war, da Massen« seine Kräfte sehr zerstreut hatte,nichts weniger als verwerflich; der Erzherzog fand denselben jedochzu gewagt und ließ, als der russische Feldherr am 16. October nachLindau kam, diesen durch einen Adjutanten zu einer Unterredung ein-laden, um ihren weitem Plan festzusetzen. Da machte Suwarowseinem Zorne Luft, erklärte, daß er von Niemanden Befehle anzunehmenhabe'), und zeigte endlich bei immer wachsender Verstimmung dem

I) Der Alte donnerte so los:Sagen Sie dem Herrn Erzherzoge, daß ichmich nicht auf die Defensive, sondern nur auf den Angriff verstehe; ich werde vor-rücken, wenn es mir gutdünkt, und dann werde ich mich nicht etwa in der Schweizverweilen, sondern gerade nach der Franche-Comte marschiren, wie meine Befehlelauten. Sagen Sie ferner, daß ich zu Wien mich ihm zu Füßen werfen würde,hier aber bin ich wenigstens seines Gleichen. Er ist Feldmarschall, und ich bin esauch, er steht im Dienste eines großen Kaisers und ich nicht minder. Er ist jungund ich bin alt. Ich habe Erfahrung durch viele Siege erworben und nehme vonNiemanden Rath oder Weisung an als von Gott und meinem Degen."