Buch 
Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
Entstehung
Seite
227
JPEG-Download
 

und des Kaiserreichs. 227

sie sich in die schweigenden Einöden und unermeßlichen Wälder des un-geheuren Reiches verliere. Das Land, welches die Franzosen jetzt be-traten, war keinem ähnlich, in dem sie bisher Krieg geführt hatten.Es'ist dasselbe dünn bevölkert, weit liegen die Städte, weit die Dör-fer auseinander, Seen, Moräste, Einöden, undurchdringliche Wäldertrennen sie. Es war daher die Verpflegung der Armee sehr schwierig,und das Rcquisitionssystem mußte aufgegeben werden. Es konnte diefranzösische Armee nur aus Magazinen verpflegt werden, und alle Le-bensrnittel mußten nachgefahren werden. Es währte nicht lange, so be-kamen die französischen Truppen mit Ausnahme der Garden statt desBrotes nur Mehl, um es zu Suppen zu verkochen. Ferner fehlte esRußland an Nebenstraßen, so daß die Franzosen nicht in mehrern Co-lonnen parallel marschiren konnten. Außerdem konnten sie in Rußlandnirgends darauf rechnen, feindliche Magazine zu erbeuten oder in denDörfern Lebensmittel zu finden. Wenn die Russen auf dem RückzügeMagazine zurücklassen mußten, steckten sie dieselben in Brand; in Brandauch steckten sie die Dörfer und meisten Städte, die sie hinter sich lie-ßen und deren Einwohner fortgezogen waren. Aber nicht nur die Men-schen litten Noth an Nahrung, auch die Pferde, denn wo die französi-sche Reiterei hinkam, dort hatte schon vor ihr die russische, deren Pferdeohnehin nicht an Hafer gewöhnt sind, das meiste Futter aufgezehrt.Allein nicht blos an Nahrung fehlte es, es kam auch, da der Sommersehr heiß war und viele Quellen versiegten, drückender Wassermangeldazu. Schon die russische Arrieregarde fand die Brunnen ausgeschöpftund das Wasser der kleinern Bäche verderbt. Sie mußte sich daher andie Seen und größern Flüsse halten, welche ziemlich weit auseinander-lagcn'). Unter allen diesen Verhältnissen ist es kein Wunder, daß die

I) General Clausewitz, welcher den russischen Feldzug als erster Generalstabs-ofsizier bei dem Corps des Grafen Pahlen mitmachte, sagt (hinterlassene Werke,VII. p. 171):Der Verfasser hat den drückenden Mangel in diesem Feldzugc nochsehr lebendig im Andenken; er hat nie so an Durst gelitten; aus den widrigstenPfützen mußte man schöpfen, um die brennende Qual los zu werden, und von Wa-schen war oft acht Lage lang nicht die Rede. Wie das die Cavallcrie angegriffenhat, kann man sich vorstellen, und die Franzosen mußten doppelt davon leiden. Auch