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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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Die Soldaten der Republik

ten durchaus günstiger gewesen. Aber, wie gesagt, das änderte sichmit Napoleons Ankunft in Thüringen. ,

Warum die Verbündeten in Sachsen stehen blieben und nicht,bevor die französischen Truppen in Thüringen sich zu Haufen begannen,selbst dahin zogen, laßt sich leicht daraus erklären, daß man wußte,man werde es mit 85,000 Mann Russen und Preußen gegen 120,000Mann unter Napoleons Anführung zu thun haben. Man hatte da-her nur die Wahl, das Pleißnerland sofort zu räumen und die Elbezu vertheidigen, oder den Feind anzugreifen, sobald er über die Saalegegangen sein würde. Einen Rückzug ohne Schlacht anzutreten, warschon wegen des bösen Eindrucks unräthlich, den das auf Deutschlandund auf Oesterreich, welches sich für eine bewaffnete Neutralität ent-schieden hatte, hervorgebracht haben würde. Zweitens aber ließ sich derUebergang über einen so schmalen Strom wie die Elbe gar nicht hin-dern, und man hätte sich dann abermals zur Schlacht gegen überlegeneStreitkrafte entschließen oder den Rückzug bis an die Oder, und vondieser nach Polen fortsetzen müssen. Da war es besser, den Feind selbstanzugreifen, sobald er über die Saale gegangen, denn es war nichtsweniger als gewiß, ob er dann am Tage der Schlacht 120,000 Mannstark sein werde. Ueberdies hatte der Feind nur 5000 Mann Reiterei,die Verbündeten aber 25,000 Mann von dieser Waffe. Es ließ sichalso hoffen, daß ein kühner Angriff einen bedeutenden Erfolg herbeifüh-ren werde.

Bisher hatte Napoleon seine Gegner stets über den Punkt ge-täuscht, wo der Hauptschlag fallen sollte; diesmal erriethen die Verbün-deten nicht nur seinen Zweck, sondern griffen ihn selbst.unvermuthet')an. Am 30. April traf Napoleon zu Weißenfels, an demselben Tageder Vicekönig von Italien zu Merseburg ein, und es standen jetztdi°e Heere beider miteinander in Verbindung. Am 1. Mai kam Na-poleon nach Lützen und in dem Gefechte, welches das Winzingerode-

I) Das geht deutlich aus dem französischen Bulletin vom 8. Mai hervor, wor-in es heißt: ,,Der Kaiser wollte den Feind in den Rücken nehmen, allein um zehnUhr brach die feindliche Armee gegen Kaya in mehreren Colonnen von tiefer Schwärzevor, so daß der ganze Horizont durch sie verfinstert wurde."