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Die Soldaten der Republik
durch die innere Stadt gehe, vielmehr mußte Alles links und rechts umdieselbe ziehen. Tapfer wurden die Borstädte von Leipzig bis gegenMittag vertheidigt, als sich ziemlich gleichzeitig mit der Einnahme der-selben ein ungeheures Unglück für die französische Armee ereignete. Dichtan dem einzigen Thore, durch welches sie abzog, führte eine steinerneBrücke über die Elster, welche minirt war. Da drangen russische Scharf-schützen durch das Rosenthal, fanden den Weg durch das Hospital undbeschossen die dichtgedrängten Colonncn der Franzosen aus den rückwärtsgelegenen Gärten. Der zur Brücke commandirte Offizier hielt Allesfür verloren und zündete die Mine an. Ein fürchterlicher Aufschrei der. diesseits noch befindlichen Franzosen folgte dem dumpfen Knall desSprengens der Brücke, welcher Napoleon, der in der Mühle zu Lin-denau schlief, weckte. Rettung war nicht mehr zu bringen, zwanzig-tausend Mann mit sechzig bespannten Geschützen waren verloren. Vieleversuchten durch die eben angeschwollene Elster zu schwimmen, wenigegelangten an das andere Ufer. Der Marschall Macdonald kam glück-lich hinüber, der Fürst Poniatowsky ertrank und das gleiche Schick-sal.hatte der französische Divisionsgencral Dumoustier. Die Corps-commandanten Reynier und Lauriston, der Commandant von Leip-zig, Brigadegeneral Bertrand'), mehre andere französische und pol-nische Generale, der' Generallieutenant Prinz Emil von Hessen-Darmstadt, der bairische Generallieutcnant Raglovich, die badi-schen Generale Graf Hochberg, Stockhorn und Schäffer, und diesächsischen Generale Zeschau, Gersdorf und Böse wurden gefangen.Der erlauchteste Gefangene war der König Friedrich August von Sach-sen, welcher unter Kosakenbedeckung von Leipzig nach Berlin geführt wurde.
Die französische Armee, welche glücklich über die Elster gelangte,war noch gegen 100,000 Mann stark"). Napoleons nächster Zweckwar Erfurt, wo sich große Arsenale und Magazine befanden, zu errei-chen, um aus ihnen seine Soldaten mit Schießbedarf, Lebensmitteln und
1) Wohl zu unterscheiden von dem Corpscommandanten und DivisionsgencralBcrtrand, dem treuen Gefährten Napoleons auf St. Helena.
2) Eingerechnet das vorausgegangene Corps Bcrtrands und die zwei Divisionenjungkr Garde unter Mortier, welche Lindenau hatten besetzen müssen.