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Die Soldaten der französischen Republik und des Kaiserreichs / Hippolyte Bellangé
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362
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362 Die Soldaten der Republik

von dem dieser Widerspruch herrührt, das große Wort nicht gerufen;aber er befehligte nicht die ganze Garde, und englische Offiziere habenversichert, diesen Ruf gehört zu haben ').

Die Schlacht von Waterloo entschied das Schicksal Frankreichsund Napoleons. Er hatte seinem versprengten Heere Laon zumSammelplätze angewiesen, aber es fanden sich so wenig Truppen ein,daß er nach Paris eilte, um Kammern und Volk, wenn möglich zuaußerordentlichen Anstrengungen zu bewegen. Soult sammelte beiLaon die Trümmer der bei Waterloo geschlagenen Armee, wahrendGrouchy, der bei Wavrc dem General Thielmann ein schönes Ge-fecht geliefert hatte, über Dinant, Philippeville, Rocroy und Rhetelmarschirte, und am 26. Juni zu Soifsons eintraf.

Am 21. um elf Uhr des Nachts kam Napoleon in Paris an.Er fand in der Kammer der Repräsentanten (warum hatte er sie jezusammenberufen?) eine starke Partei gegen sich, und Lafayette be-antragte, daß sich dieselbe in Permanenz erkläre, d. i. die ganze Staats-gewalt an sich reiße, und daß jeder für einen Hochverräther erklärtwerde, der es wagen würde, sie aufzulösen. Eine entschieden feindseli-gere Handlung gegen Napoleon konnte nicht gedacht werden. Der Kai-ser, der in den Depots der Garde 6000 Mann hatte, der das verfas-sungsmäßige Recht besaß, die Kammer der Repräsentanten aufzulösen,verschmähte es, das zu thun und unbeschränkter Meister der Hauptstadtund mit ihr Frankreichs zu werden. Statt dessen gab er sogar zu, daßseine Minister den Befehlen der Repräsentantenkammer, sich in ihreMitte zu begeben, gehorchten, und überließ ihr dergestalt die Souverai-netät. Am 22 Juni dankte Napoleon zu Gunsten seines Sohnesab, der Kammer jedoch fiel es nicht ein, denselben anzuerkennen; eswurde vielmehr eine provisorische Regierung, mit Fsuche zum Präsi-denten, ernannt. Fouche nöthigte Napoleon, den Palast Elise-Bour-bon in Paris zu verlassen und sich nach Malmaison zu begeben. Als

I) Man sehe hierüber die Darstellung der Schlacht von Waterloo von Prokesch(jetzt Prokesch von Osten und österreichischer Gesandter bei dem Könige Otto vonGriechenland) in der österreichischen Mlitairzeitschrift von I8l!>.