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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
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30
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ßO Erstes Kapitel.

von Menschenhand erstellt, sondern glaubte, sie seien an Ort undStelle gewachsen.

Nach und nach brach sich jedoch sowohl in Bezug auf dieBeurteilung der Knochen des Menschen, als der alten Werke seinerHand die richtige Auffassung Bahn und mit dem zu linde gehendenXVIII. Jahrhundert war man so weit, die menschlichen Skeletteileals solche zu erkennen und die urzeitlichen Artefakte richtig zubeurteilen.

Im Anfang des XIX. Jahrhunderts lebte der grosse PaläontologeG. Cuvier . Er drang, wie kein zweiter vor ihm, in den Schichten-bau der Erdrinde, um darin die Spuren der Lebewesen zu erforschen.Er zeigte, wie man das relative Alter der geologischen Schichtenan Hand der Tierreste erkennen könne und baute aus den erhaltenenTeilen der Skelette die Gestalten der längst dahin geschwundenenTiergeschlechter vor den Augen seiner Zeitgenossen wieder auf.Cuvier fand, die Vorzeit sei in scharf getrennte Abschnitte geschieden,jeder charakterisiert durch bestimmte Flora und P'auna, die wedervor-, noch nachher zu finden seien. So entstand seine Lehre vonden Schöpfungs-Perioden, die durch Erdrevolutionen von einandergetrennt sein sollten.

Der Mensch gehört nach Cuvier der letzten Schöpfungsperiodean; er lässt sich erst in postdiluvialen Schichten nachweisen. DieJetztzeit, das Alluvium, ist geradezu durch das Aultreten des Menschencharakterisiert. Das wurde nun ein, besonders von theologischer Seitescharf hervorgehobener Glaubenssatz. Cuvier hatte zwar die Mög-lichkeit, dass der Mensch mit den diluvialen Säugetieren, mit aus-gestorbenen Elephanten, mit dem Höhlenbären u. s. w. zusammenge-lebt, nicht abgewiesen, aber die damals bekannten Funde menschlicherReste aus dem Diluvium schienen ihm nicht beweisend zu sein. SeineJünger waren exklusiver als der Meister und leugneten den diluvialenMenschen überhaupt. So kam es, dass selbst die sorgfältigen undmühevollen Forschungen Schmerungs in den belgischen Höhlen,in welchen er den Menschen als Zeitgenossen des Mamut und desI Iöhlenbären kennen gelernt hatte, fast unbeachtet blieben, da man dieP'unde als zusammengeschwemmtes Material ohne wissenschaftlichenWert betrachtete. Es schien, als ob die Katastrophentheorie jedennamhaften Fortschritt im Erkennen naturhistorischer und urgeschicht-licher Thatsachen hindern wolle.

Vergebens hatte Lamarck dem System CuvieiPs das Prinzipder Entwicklung entgegengesetzt: es blieb unverstanden. Da stellteLyeu, in seinem berühmten WerkePrinciples of Geology 1830den Satz auf, dass die Umänderungen der Vorzeit nicht plötzlich