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Die Eiszeit oder das Diluvium.
vor sich gegangen, sondern durch jetzt noch wirkende kleine Ur-sachen langsam, aber stetig durchgeführt worden seien. Nun er-folgte ein völliger Umschwung in den geologischen Ansichten, aberauch jetzt blieb die Urgeschichte im Banne der veralteten Ideenund es bedurfte der zwanzigjährigen unverdrossenen Forscherarbeiteines Boucher de Perthes , um auch auf diesem Gebiete freie Bahnzu schaffen.
Dieser Archäologe hatte Ende der dreissiger Jahre in dendiluvialen Kieslagern von Abbeville im Sommethal Nordfrankreich’sSpuren menschlicher Arbeit gefunden.
Er legte im Laufe der folgenden Jahre eine ganze Sammlungvon diluvialen Feuerstein-Objekten an, aber als er 1847 seine»Antiquites celtiques et antediluviennes“ bekannt machte, wurde erals Sonderling und Schwärmer verlacht. Indessen war Boucher de Perthes nicht der Mann, der sich durch Spott und Hohn abschreckenHess. Er sammelte eifrig weiter und schliesslich trug seine Beharr-lichkeit den Sieg davon.
Im Jahre 1858 wurde die Brixham cave bei Torquay in Eng-land untersucht. Die englischen Forscher kamen dadurch ebenfallsauf die Frage nach dem diluvialen Menschen. Sie besuchten Abbe ville , machten auch im Sommethal zahlreiche Ausgrabungen undüberzeugten sich von der Richtigkeit dessen, was Boucher de Perthes behauptet hatte. Von Paris aus wurden nun gleichfalls Expeditionenzur genauen Untersuchung des Thatbestandes abgesandt. Das Resultatwar, dass man allgemein anerkannte, der Mensch habe schon währenddes Diluviums gelebt, zusammen mit jetzt zum Teil ausgestorbenenPieren.
Nun war das Eis gebrochen und die Leidensgeschichte vonBoucher de Perthes hatte ein Ende. Jetzt erschienen auch dieHöhlenfunde in einem andern Lichte. Man begann neue Unter-suchungen und es folgten sich hervorragende Entdeckungen in denverschiedensten Ländern Europa’s . Im gleichen Jahr 1 859 j d a derDiluvialmensch allgemein anerkannt wurde, erschien auch das epoche-machende Werk Darwin’s über die Entstehung der Arten, das derEntwicklungstheorie Lamarck’s zum Siege verhalf.
Ein Franzose war es gewesen, der als einer der ersten denDiluvialmenschen erkannt hatte und Frankreich hat auch späterwichtige Funde geliefert, besonders als man begann, die Höhlen imSüden des Landes zu durchforschen. An der Vezere, einem Neben-flüsse der Dordogne , liegen z. B. mehrere der berühmtesten hund-erte, wie Le Moustier und La Madeleine, nach denen von Mor-tielet zwei Unterabteilungen der Diluvialzeit benannt wurden,