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/ Die Eiszeit oder das Diluvium.
in ihnen mit Menschenwerk zu thun habe. Jap. Steenstrup machtedarauf aufmerksam, dass, nach der Abbildung zu schliessen, die „Ein-schnürungen“ grosse Ähnlichkeit mit Biberstöcken zeigen, die ja inTorfmooren häufig Vorkommen. Die fremde Rinde aber sei vielleichtRindentorf, wie er sich in Mooren bilde, wo lose Rindenstücke sichüber Hölzer legen und sie maskieren. Andere dachten an Zuspitzungder Stäbe durch Wasser und Sand, wie es jetzt noch in Bergbächenhäufig zu beobachten ist, an Schwemmholz, an herausgefaulte Äste°der an besondere Wachstumsart der Hölzer.
Rütimeyer wies zwar diese Auffassungen zurück, aber die Sachewurde ihm schliesslich auch zweifelhaft. Er war daher gern bereit,die Stäbe einer neuen Untersuchung unterwerfen zu lassen. Biber-stöcke sind in Schieferkohlen der Schweiz allerdings nachgewiesenworden, z. B. in Zell im Kt. Luzern . Die Wetzikonstäbeaber können keine Biberstöcke sein, wie sich aus der Ver-gleichung mit fossilem und recentem Material ergab. Die „Ein-schnürungen“ haben nichts gemein mit Biberfrass und die Spitzen,a n denen die Zahnspuren des Bibers besonders deutlich sichtbarSe in müssten, sind durchaus glatt und sehen wie poliert aus. DieZuspitzung erinnert vielmehr an Arbeit von fliessendem, kiesfiihrendemWasser. Diese mechanische Arbeit des Wassers aber erklärt jeneEinschnürungen nicht.
Prof. C. Schröter hielt die Stäbe für herausgefaulte Äste undunternahm nun eine spezielle Untersuchung, welche zur Evidenzbewies, dass diese schon früher ausgesprochene Ansicht richtigsei. Durch zahlreiches Vergleichsmaterial bewies er, dass dieZuspitzung der Wetzikonstäbe sich bei herausgefaulten Ästen wieder-finde, wobei er aber zugab, dass die glatte Oberfläche derSpitze des ersten Stabes auf Arbeit von Wasser und Sand zu-rückzuführen sei. Die fremde Rinde erwies sich als Stamm-holz, das über den Ast gewachsen, und die Einschnürungen warenSpuren der Jahrringe, welche sich nicht bloss im Stammholz zeigten,sondern infolge des Druckes auch auf dem Astholz als Eindrückesichtbar wurden.
Wenn wir nun, wenigstens vorläufig, darauf verzichten müssen,den Menschen in interglaciären Ablagerungen der Schweiz nach-zuweisen, so sind dafür in Frankreich und Deutschland mehrfachFunde gemacht worden, die beweisen, dass der Mensch zur Inter-glaciärzeit wirklich in Europa gelebt hat. In dem berühmten Fund-° rt Chelles in Frankreich fanden sich charakteristische Werkzeugev on Menschenhand zusammen mit Knochen von Elephas antiquus,
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