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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
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53
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Die Eiszeit oder das Diluvium. 5 3

Schaffhausen . Der Finder war als durchaus ehrlich bekannt undes nahm auch Merk die Skulptur ohne Bedenken in seinen Be-richt auf. Sie stellt einen Pferdekopf dar.

Beide Skulpturen bestehen aus Rentierhorn und werden heut-zutage nicht als ausser den übrigen Kunstprodukten aus demKesslerloche stehend betrachtet.

Die Freude an den herrlichen Funden von Thaingen wurdebald getrübt durch eine Abhandlung L. Lindenschmits im Archivfür Anthropologie, in welcher er die Abbildung des Bären ausThaingen neben diejenige des Bären aus dem SpAMERschen Kinder-buche:Die Thiergarten und Menagerien mit ihren Insassenstellte. Beide Bilder stimmen überein. Auf derselben Seite dergenannten Abhandlung wird dem Fuchs von Thaingen ein andererbuchs aus demselben Kinderbuche an die Seite gestellt und beideBilder sind einander so ähnlich, dass jedem Beschauer sofort klarw ar, woher der angebliche troglodytische Zeichner vom Kessler-loche die Vorbilder für seinen Fuchs und seinen Bären geholt.Lindenschmit benutzte diese Gelegenheit zu Ausfallen gegen Merk,auf den er nicht undeutlich als den Urheber der Fälschungen hin-w >es. Er ging noch weiter und sprach seine schon früher ge-äusserten Zweifel an der Echtheit aller Kunstprodukte unter denHöhlenfunden schärfer und bestimmter aus.

Zwar konnte Merk den Verdacht, dass er der Fälscher sei, vons *ch abwälzen durch den Nachweis, dass die Zeichnungen von FuchsUr >d Bär, ebenso der diese Bilder begleitende Text, gegen seinendeutlich ausgesprochenen Willen in die Abhandlung, die seinen Namen* ra ge, aufgenommen worden sei, aber er musste sich den Vorwurfgefallen lassen, dass er die Untersuchung nicht mit der nötigenGenauigkeit und Umsicht geführt und seinem Berichte keine Be-merkung beigefügt habe, woraus ersichtlich wäre, dass nicht er derVerfasser jener Begleitworte sei, und dass die Bilder von ihm zurück-gewiesen worden seien. Zur grossen Beruhigung der wissenschaft-lichen Welt aber konnte Merk mitteilen, dass der Fälscher in derBerson eines Arbeiters bereits entdeckt sei.

In der deutschen Anthropologen-Versammlung zu Konstanz *^77 kam die Sache nun ebenfalls zur Sprache und die Verhand-lungen gestalteten sich zu eigentlichen Gerichtssitzungen. DiePersönliche Ehrenhaftigkeit Merks wurde allgemein anerkannt. DieHebatte drehte sich um die Frage, ob die Kunstprodukte unter denHöhlenfunden nicht samt und sonders mehr oder weniger grobeFälschungen seien.