Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
52
JPEG-Download
 

52

Erstes Kapitel.

Eine letzte Tierzeichnung aus Thaingen ist auf Gagat eingeritztund zwar auf ein 42 mm breites, 57 mm langes und 6 mm dickesPlättchen. Auf jeder Breitseite desselben erscheint ein Pferdekopf.Auch hier ist die charakteristische Mähne vorhanden. Die Ohrenscheinen bei der einen Zeichnung zu fehlen. Die Augen zeigendeutliche Lider; in einem Auge erkennt man die Pupille. DieNüstern sind sehr deutlich gehalten; die ganze Zeichnung machteinen guten Eindruck.

Der Originalbericht Merks enthält nun noch zwei Tierzeich-nungen in Text und Tafeln. Es sind diejenigen, die sich späterals Fälschungen herausstellten. Die eine derselben stellt einenBären, die andere einen P'uchs dar. Beide Figuren sind auf Knochen

von Bison (oder Nashorn?)eingeritzt. Schon dieserUmstand musste auffallen,da alle andern Tierzeich-nungen, welche im Kess-lerloch zum Vorschein ka-men, auf Rentierhorn undGagat eingraviert waren.Bevor wir indessen auf dieGeschichte der Fälschun-gen von Thaingen ein-treten, wollen wir uns nachFi g . 29 . den Skulpturen der Ren-

Vorder- und Hinterseite eines Stierkopfes, geschnitzt tierstation daselbst um-von einem Troglodyten in Thaingen. sehen

Die eine dieser Skulpturen (Fig. 29) stellt einen Stierkopf miteinem Teil des Halses dar. Augen, Ohren und Hörner sind voll-ständig erhalten, Schnauze und Nase fehlen. Merk hielt (nachRütimeyer) die Darstellung für diejenige eines Moschusochsen, dadie Form der anliegenden, herablaufenden Hörner durchaus nichtzum Ur passe. Ranke dagegen ist der Ansicht, dass einfach einefreie Darstellung eines Stierkopfes vorliege. Die Form der Hörnerhabe man so gewählt, um deren Abbrechen zu verhindern.Knochen des Moschusochsen selbst sind im Kesslerloch nicht ge-funden worden, die Stierfigur aber wurde von Schenk im mittlernTeil der Höhle und zwar in der schwarzen Kulturschicht ent-deckt. Die Länge des Stückes beträgt nur 6 cm; es befindet sichin Konstanz .

Die zweite Skulptur kam erst nach der systematischen Aus-grabung zum Vorschein; sie liegt im Naturhistorischen Museum